/ 03.06.2013
Ulrich Menzel
Globalisierung versus Fragmentierung
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998; 266 S.; 19,80 DM; ISBN 3-518-12022-0Wie kann eine neue Weltordnung aussehen, die an die Stelle der mit dem Ende des Ost-West-Konflikts sichtbar gewordenen Unübersichtlichkeit tritt? Menzels hier zusammengestellte Aufsätze sind in den letzten vier Jahren entstanden und zeigen zwei scheinbar entgegengesetzte Trends auf: Auf der einen Seite nimmt die Öffentlichkeit nicht mehr den territorial und ethnisch definierten Nationalstaat mit seinem Integrationspotential als relevant wahr, sondern vielmehr den weltweiten Markt, die entgrenzte und entstofflichte Wirtschaft ohne eigentlichen Standort. Vor dem Hintergrund der Globalisierung haben die Nationalstaaten "Souveränität und damit auch Macht eingebüßt an den Markt, auf dem sich die Logik des Kapitals in ihrer reinsten Form durchgesetzt hat" (222). Auf der anderen Seite ist ein zunehmendes Insistieren auf Begriffen wie Nation, Territorium oder Ethnizität zu beobachten, auf staatlicher Souveränität, Nationalökonomie, eigenständiger Kultur oder Denken in der Kategorie des Kulturraums, wie Huntington in seinem "Clash of Civilization" beschreibt. Gemäß Menzel stellt sich am Übergang von der Moderne zur Postmoderne die Frage, ob die Errungenschaften der Aufklärung - Fortschritt, Zivilisierung der Welt, die Ausbreitung von Demokratie und Menschenrechten sowie Wirtschaftswachstum - nicht an ihre Grenzen gestoßen sind.
Aus dem Inhalt: I. Vier Annäherungen an die Welt aus postmoderner Perspektive: 1. Die neuen Feindbilder. Über die Renaissance von Geopolitik und Geokultur; 2. Die Ethnisierung der Internationalen Beziehungen; 3. Über die Virtualisierung der Ökonomie und den Souveränitätsverlust der Nationalstaaten. II. Die neue Weltwirtschaft: 5. Strukturwandel der Weltwirtschaft; 6. Der Flug des Drachen. Das neue Wachstumszentrum in Ost- und Südostasien; 7. Wirtschaft ohne Standort. Über die Auswirkungen der postindustriellen Revolution. III. Die Konsequenzen für Macht, Entwicklung und Frieden: 8. Jenseits der Hegemoniedebatte: Staaten oder Märkte?; 9. Das Entwicklungsdilemma und die Ethik der neuen Weltordnung.
Andrea Wolf (AW)
Dipl.-Politologin.
Rubrizierung: 4.43 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Andrea Wolf, Rezension zu: Ulrich Menzel: Globalisierung versus Fragmentierung Frankfurt a. M.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3212-globalisierung-versus-fragmentierung_4215, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 4215
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Dipl.-Politologin.
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