/ 18.06.2013
Christiane Nickel
Insider und Outsider bei der Osterweiterung der Europäischen Union
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2002 (Studien zu internationalen Wirtschaftsbeziehungen 1); XVI, 215 S.; brosch., 37,80 €; ISBN 3-631-38128-XWirtschaftswiss. Diss. Vallendar; Gutachter: M. Frenkel. - Das Jahr 2000 markierte die Entscheidung der Europäischen Union, mit den zehn bereitwilligen Ländern Osteuropas konkrete Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Aus der Sicht der Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion sind diese Beitrittskandidaten noch Outsider, während die eigenen Mitglieder als Insider betrachtet werden. Mit dieser Gegenüberstellung von Insidern und Outsidern konzentriert sich Nickel vor allem auf zwei Kernfragen: Wie kann der Übergang zur Währungsunion gestaltet werden? Und wie gut sind die osteuropäischen Outsider für den Beitritt in die EWU vorbereitet? Die Autorin arbeitet dabei modelltheoretisch und empirisch in guter wirtschaftswissenschaftlicher Tradition. Die Problematik der neuen Beitrittskandidaten liegt darin, dass die Kopenhagener Konvergenzkriterien nicht auf entwickelte Industrieländer, sondern auf Transformationsländer angewendet werden. Zwischen den Kriterien und den transformatorischen Besonderheiten der Beitrittswilligen existieren komplizierte Austauschbeziehungen, die einen Handlungsbedarf bei der Kriterienauslegung hinsichtlich des EWU-Beitritts notwendig machen. In puncto der Wahl des optimalen Wechselkurssystems während des Überganges zur gemeinsamen Währungsunion gibt Nickel konkrete wirtschaftspolitische Empfehlungen für die Beitrittsanwärter aus Osteuropa. Nach ihrer empirischen Analyse folgert sie, "dass unter der Annahme, dass sich die Wirtschaftsstrukturen nicht rapide ändern, ein EWU-Beitritt nicht unmittelbar dem EU-Beitritt der mittel- und osteuropäischen Länder folgen sollte" (206). Gleichzeitig relativiert sie ihre pessimistische Einschätzung mithilfe eines OCA-Indexes (Optimum Currency Area): Einzelne Länder der ersten Gruppe der Osterweiterung (Slowenien, Slowakei, Polen und Tschechien) seien für den Beitritt zur EWU im Jahr 2003 ähnlich gut vorbereitet wie Griechenland im Jahr 2000.
Inhaltsübersicht: 2. Die Erweiterung der Europäischen Währungsunion; 3. Das Wechselkurssystem in der EU und in den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern; 4. Strategische Überlegungen bei der Gestaltung der Geld- und Währungspolitik beim Übergang in die Währungsunion; 5. Die Theorie optimaler Währungsräume; 6. Die Verarbeitung von Schocks in der EU und in mittel- und osteuropäischen Ländern; 7. OCA-Index für Osteuropa.
Tetyana Lutsyk (TL)
Lizentiat der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen (lic. oec. int.), Doktorandin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Wirtschaftspolitik, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 3.1 | 3.5 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Tetyana Lutsyk, Rezension zu: Christiane Nickel: Insider und Outsider bei der Osterweiterung der Europäischen Union Frankfurt a. M. u. a.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17268-insider-und-outsider-bei-der-osterweiterung-der-europaeischen-union_19865, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19865
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Lizentiat der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen (lic. oec. int.), Doktorandin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Wirtschaftspolitik, Universität Leipzig.
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