/ 20.06.2013
Alex Veit
Intervention as Indirect Rule
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Mikropolitik der Gewalt); 292 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39311-7Diss. phil. HU Berlin; Gutachter: K. Schlichte. – Der Kongo und insbesondere die Ituri-Provinz im Nordosten ist auch nach dem offiziellen Ende der Kongokriege ein Pulverfass, in dem verschiedene bewaffnete Gruppen um Macht und Herrschaft in der Region ringen. Eingebunden in dieses für westliche Beobachter kaum durchschaubare Beziehungsgeflecht ist die Blauhelm-Mission Monuc, eine der größten Interventionen der UN. Sie wurde 1999 zunächst mit Beobachtungsstatus im Kongo eingesetzt und auf der Grundlage von mehr als 30 weiteren Resolutionen kontinuierlich ausgebaut. Seit 2003 agiert sie in Ituri. Zudem wurde mit der „Operation Artemis“ eine militärische Friedensmission von der EU entsandt. Der Autor fragt, wie sich die intervenierenden Missionen auf das lokale Gefüge von Herrschaft und Macht auswirken. In Anlehnung an Elias’ Schlüsselbegriff der Figuration, den dieser zur Analyse von Interdependenzen zwischen sozialen Einheiten benutzt hat, untersucht Veit die Beziehungen innerhalb und zwischen den einzelnen Akteursgruppen sowie im Verhältnis zur Zivilbevölkerung. Er zeigt auf, dass die Milizen die ihnen gebotenen Optionen zur Remilitarisierung nicht grundsätzlich abgelehnt haben, doch dass eine Gemengelage aus Forderungen nach besseren Bedingungen, Misstrauen und ungeklärten Machtverhältnissen zwischen den bewaffneten Gruppen und den intervenierenden Kräfte zu einem neuen, teilweise gewaltsam ausgetragenen Konflikt geführt hat. Mit der Absicht angetreten, Frieden und Sicherheit in der Region herzustellen, wurde eine neue Situation der Unsicherheit geschaffen. Veit betrachtet seine empirischen Befunde im Kontext der indirekten Herrschaft. Da internationale Interventionen auf lokale Intermediäre angewiesen sind und diese zumeist mit umfangreichen Ressourcen ausgestattet werden, würden auf diese Weise existierende Herrschaftsmuster rekonstruiert. Die Interdependenzen zwischen internationalen, nationalen und lokalen Akteuren hätten zwar teilweise zu neuen politischen Dynamiken geführt, so Veit, doch seien diese Veränderungen nur als Modifikation kolonialer Herrschaft zu verstehen. Historisch gewachsene Machtstrukturen, so das Fazit, können durch internationale Interventionen nur schwer überwunden werden.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.67 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Alex Veit: Intervention as Indirect Rule Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21930-intervention-as-indirect-rule_39471, veröffentlicht am 09.02.2011.
Buch-Nr.: 39471
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