/ 19.06.2013
Kennedy Gastorn / Harald Sippel / Ulrike Wanitzek (Hrsg.)
Justice and Dignity for All: Current Issues of Human Rights in Tanzania
Köln: Rüdiger Köppe Verlag 2010 (Tanzanian-German Centre for Postgraduate Studies in Law 1); X, 162 S.; brosch., 29,80 €; ISBN 978-3-89645-166-8In ökonomischer Hinsicht ist Tansania eines der unterentwickeltsten Länder der Erde. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten beträgt über 80 Prozent, der Dienstleistungssektor ist überwiegend informell organisiert. Auf dem Gebiet der Demokratisierung und des Schutzes von Menschenrechten kann Tansania im Vergleich zu vielen seiner Nachbarstaaten jedoch eine durchaus bemerkenswerte Erfolgsbilanz aufweisen. Dennoch – das zeigen die Beiträge des Bandes, der aus zwei im Herbst 2008 an der Universität von Dar es Salaam abgehaltenen Konferenzen der Tansanischen Kommission für Menschenrechte und Gute Regierungsführung sowie des Tansanisch-Deutschen Fachzentrums für Rechtswissenschaft entstand – klafft nach wie vor eine gewaltige Lücke zwischen den verfassungsmäßig garantierten Grundrechten und deren konkretem Schutz. Chris Maina Peter führt uns in einem einleitenden und überblicksartigen Aufsatz vor Augen, dass nicht nur private Personen, sondern auch staatliche und parastaatliche Institutionen selbst systematisch Menschenrechte verletzen. Der tansanische Staat, so das harsche Urteil des Professors für Rechtswissenschaft, könne Grundrechte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales nicht garantieren und sei mit seinen Verstößen gegen die Presse- und Informationsfreiheit sowie den jüngsten Privatisierungen im Sicherheitssektor unmittelbar für eine nach wie vor nicht zufriedenstellende Menschenrechtslage verantwortlich. Sifuni E. Mchome beschäftigt sich mit gewaltförmigen Konflikten zwischen Stämmen und mit der Tötung älterer Frauen, die aufgrund spezifischer körperlicher Merkmale der Hexerei beschuldigt werden. Die größte Herausforderung für die Durchsetzung von Menschenrechten in Tansania dürfte darin bestehen, dass es einer schwach ausgeprägten und mitunter kaum akzeptierten Staatlichkeit gelingen muss, Rechtsnormen Geltung zu verschaffen, die zum Teil im Widerspruch zu lokalen Traditionen, Wissensbeständen und Hierarchien stehen.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Kennedy Gastorn / Harald Sippel / Ulrike Wanitzek (Hrsg.): Justice and Dignity for All: Current Issues of Human Rights in Tanzania Köln: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21668-justice-and-dignity-for-all-current-issues-of-human-rights-in-tanzania_41719, veröffentlicht am 22.03.2012.
Buch-Nr.: 41719
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA