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/ 21.06.2013
Subcomandante Marcos

Kassensturz. Interviews mit Laura Castellanos. Übersetzung aus dem Spanischen: Horst Rosenberger

Hamburg: Edition Nautilus 2008; 158 S.; 13,90 €; ISBN 978-3-89401-590-9
Der Band versammelt Interviews der Journalistin Castellanos mit dem militärischen Führer der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), Subcomandante Insurgente Marcos, in Mexiko. Über dessen wahre Identität gibt es nur Spekulationen. Die Bezeichnung Subcomandante soll deutlich machen, dass Marcos seine „Befehle“ von der Generalkommandantur, die aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Dorfgemeinschaften besteht, erhält. Die EZLN ist eine indigene Guerillaorganisation in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten, die am 1. Januar 1994 mit einem Protest anlässlich des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada erstmals in Erscheinung trat. Marcos äußert sich u. a. zu den Formen der Selbstregierung der indigenen Dorfgemeinschaften, die sich in einem von der Regierung kaum kontrollierten Gebiet in 39 Gemeinden in fünf Regionen mit mehreren zehntausend Einwohnern zusammengeschlossen haben. Dabei ist die Selbstregierung in jeder Gemeinde anders ausgeprägt. Zur Amtszeit führt Marcos aus: „Das ist unterschiedlich, manchmal sind es zehn Tage, manchmal eine Woche oder auch zwei“. Er erläutert, man wolle so vermeiden, dass Politik eine Angelegenheit der Profis oder als Karriere gar eine Art „Lebensform“ (34) wird. Politik solle auf diesem Weg zu einer Sache aller werden, sodass Parteien letztlich überflüssig sind, führt Marcos aus. Gleichwohl sieht er das Projekt bedroht. Die derzeitige Regierungsstrategie bereite den Boden für gewalttätige Konflikte. Nicht nur würden paramilitärische Gruppen gegen die indigene Bewegung gestützt, was bereits zu Massakern geführt habe, sondern die Regierung sei auch bemüht, durch Zuteilung gleicher Anbauflächen an verschiedene Gruppen Spannung zwischen den Gemeinschaften zu schüren. Marcos befürchtet also eine neue Konfrontation. Seine Aussagen über die Erfolge der Autonomie in Gesundheit, Bildung, Nahrung oder Umwelt findet Castellanos bestätigt, die repressive Politik der Regierung verurteilt sie in ihren Kommentaren.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.652.222.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Subcomandante Marcos: Kassensturz. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30419-kassensturz_36112, veröffentlicht am 08.04.2009. Buch-Nr.: 36112 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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