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/ 17.06.2013
Heinz-Jürgen Axt / Oliver Schwarz / Simon Wiegand

Konfliktbeilegung durch Europäisierung? Zypernfrage, Ägäis-Konflikt und griechisch-mazedonischer Namensstreit

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008; 285 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-3606-8
Anhand von drei Fallstudien untersuchen die Autoren das Konfliktlösungspotenzial der Europäischen Union. Zu diesem Zweck wurden ca. 90 Interviews mit betroffenen Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Medien, Kirche und Wissenschaft durchgeführt. Die Studien sind je nach dem folgenden Muster strukturiert: Zuvorderst wird der aktuelle Forschungsstand auf Erklärungsansätze zur Konfliktlösung kritisch beleuchtet und der Einfluss der identifizierbaren Variablen bestimmt. Sodann wird der Einfluss des Akteurs EU eingeschätzt. Dabei klassifiziert sich das Maß an Europäisierung über das Niveau der Ausrichtung am Normensystem der EU und dem Zugriffsmuster eines „cultural approach“. Da die Autoren jedoch gegen Ende der Studie feststellen müssen, dass die Konfliktparteien eher einem „calculus approach“, einer reinen Kosten-Nutzen-Strategie, folgen, stellen sie ernüchtert fest, die Wahrscheinlichkeit tendiere „gegen Null“ (249), dass die drei Konflikte „auf absehbare Zeit durch Europäisierung gelöst werden“. Lediglich die „Wahrscheinlichkeit“ (254) der Konfliktbeilegung steige durch Europäisierung. Hingegen betonen die Verfasser die Bedeutung von Anreizen und Sanktionen, da Normen und Werte lediglich ein Angebot darstellen können. Überraschend, insbesondere für Griechenland, das seit 1981 der EU angehört, ist das Ergebnis: „In den drei untersuchten Fallbeispielen konnte bei keinem Akteur eine Europäisierung nach dem Muster des cultural approach festgestellt werden“ (252). So überantworten die Autoren abschließend die Frage, ob im Falle der ungarischen Minderheit in Rumänien oder im Fall des Kosovo positivere Tendenzen zu entdecken sind, an weitere Forschungen. Der Band ist das Ergebnis eines von 2005 bis 2007 an der Universität Duisburg-Essen durchgeführten Forschungsprojekts.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.63.14.412.61 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Heinz-Jürgen Axt / Oliver Schwarz / Simon Wiegand: Konfliktbeilegung durch Europäisierung? Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14803-konfliktbeilegung-durch-europaeisierung_34924, veröffentlicht am 07.10.2008. Buch-Nr.: 34924 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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