/ 11.06.2013
Wolfgang Petritsch / Karl Kaser / Robert Pichler
Kosovo Kosova. Mythen, Daten, Fakten
Klagenfurt u. a.: Wieser Verlag 1999; 366, XLIII S.; geb., 47,70 DM; ISBN 3-85129-304-5Auf den ersten Blick mag die Skizzierung der historischen Entwicklungen auf dem Kosovo vom Jahr 1285 bis in die Gegenwart für eine Darstellung weit hergeholt erscheinen, die ihren Schwerpunkt bei den Vermittlungsbemühungen und Verhandlungen der Staatengemeinschaft in der jüngsten Kosovo-Krise (1998/99) setzt. Um die Komplexität der Problematik auf dem Amselfeld aufzuzeigen und der verbreiteten Mythenbildung gegenzusteuern, erscheint dieser von den drei Autoren gewählte Ansatz indes geboten und gerechtfertigt, so daß die Lektüre des Werkes sowohl dem interessierten Laien als auch den Fachleuten eine umfassende Einarbeitung in die Materie ermöglicht. In die drei in chronologischer Folge stehenden Abschnitte des Bandes (1285 bis 1913, 1914 bis 1997 und schließlich 1997 bis 1999) ist jeweils eine Fülle von nützlichem Material der unterschiedlichsten Form eingearbeitet, wodurch der Studie insgesamt eine hohe Anschaulichkeit und Originalität zukommt. Neben kultur- und (zeit-)geschichtlichen Dokumenten sowie diversen Statistiken und Tabellen in den ersten beiden Teilen umfaßt insbesondere der dritte Teil einen wahren Fundus an UNO-Resolutionen und verschiedenen Erklärungen diverser internationaler Organisationen sowie an Regierungsverlautbarungen und zum Teil bislang unveröffentlichten Schriftstücken, die in den fortlaufenden Text eingearbeitet sind, wodurch der jeweilige Bezug schnell deutlich wird. In den dritten Teil, der die Vermittlungsbemühungen der Staatengemeinschaft zwischen Serben und Kosovo-Albanern wiedergibt und bis zum Beginn der NATO-Intervention nach den gescheiterten Verhandlungen von Rambouillet führt, sind die Eindrücke und Erfahrungen des damaligen EU-Sondergesandten für das Kosovo, Petritsch, eingeflossen, wodurch die Ausführungen ein hohes Maß an Authentizität erhalten, aber auch Rückschlüsse auf die Politik der EU-Staaten ermöglicht werden. Für Petritsch markierte das Engagement der EU den "faktische[n] Beginn" einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, wenngleich er allerdings einschränkt, daß dies lediglich politisch zutreffe, "militärisch freilich nicht" (Postskriptum [353]).
Axel Lüdeke (AL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.41 | 2.62 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Axel Lüdeke, Rezension zu: Wolfgang Petritsch / Karl Kaser / Robert Pichler: Kosovo Kosova. Klagenfurt u. a.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10690-kosovo-kosova_12641, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12641
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Dr., Politikwissenschaftler.
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