/ 22.06.2013
Angelika Zimmermann
Menschenrechtliche Aspekte von StaatsbürgerInnenschaft am Beispiel der "Ausgelöschten" in der Republik Slowenien
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Politik und Demokratie 21); 124 S.; geb., 14,80 €; ISBN 978-3-631-60274-4Politikwiss. Diplomarbeit Wien. – Zimmermann zeigt exemplarisch an den „Ausgelöschten“ in Slowenien, wie Staatsbürger- und Menschenrechte auch in Europa auseinanderfallen können. Unter „Auslöschung“ versteht die Autorin den „Entzug des legalen Aufenthaltsrechts jener Personen, die von ihrem Optionsrecht auf den Erwerb der Staatsbürgerschaft der Republik Slowenien keinen Gebrauch gemacht hatten bzw. machen konnten" (73). Die Umstände, die ein Erlangen der neuen Staatsbürgerschaft verhindert haben, sind vielfältig und hängen häufig mit den kulturellen Hintergründen der betroffenen Personen zusammen. Ihre theoretische Einordnung durch die Autorin basiert zu großen Teilen auf Hannah Arendts Analyse der Rechtlosigkeit der Staatenlosen. Die Versuche, das Thema in der Transformationsforschung zu verorten, zeigen deutlich, wie es bisher „de-thematisiert“ (27) wurde. Zimmermann beweist jedoch, dass die Rassismustheorie sehr gut geeignet ist, um den Prozess politischer Diskriminierung der Staatenlosen in Slowenien deutlich zu machen. Dadurch, dass sie die Lage der „Ausgelöschten“ in das Netz aus politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen bei der Entstehung der Republik Slowenien einbettet, wird deutlich, wie schwierig die Anwendung völkerrechtlicher Regelungen im Einzelfall sein kann. Auch die völkerrechtliche Unterscheidung der Staatenlosigkeit in de jure und de facto ist hinfällig. „Das Phänomen der Staatenlosigkeit zeigt die Grenzen des Konzepts der Staatsangehörigkeit/StaatsbürgerInnenschaft auf.“ (58) Zimmermann regt damit eine vielleicht nicht neue, aber verstärkte Diskussion über die Frage an, ob Staatsbürgerschaft ein Status oder ein Recht ist. Damit sich die Lage der „Ausgelöschten“ in Slowenien ändert, müsse es nicht nur auf der rechtspolitischen Ebene, sondern auch in Bezug auf das Staatsfeindbild zu Veränderungen kommen – die Diskriminierung der „kulturell Anderen“ (60) beruhe auch auf der fehlenden Anerkennung von Minderheiten. Mit dem im letzten Kapitel dargestellten Verhältnis zwischen juristischen Sachverhalten und sozialen Realitäten in Slowenien spannt die Autorin den Bogen zur aktuellen Situation der „Ausgelöschten“ und skizziert, wie eine weitere Entwicklung in der Frage der Staatsbürgerschaft aussehen könnte.
Nadja Hagen (NAH)
Studentin, MA Medien-u. Kommunikationswiss./Politik/Slavistik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Rubrizierung: 4.42 | 2.21 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Nadja Hagen, Rezension zu: Angelika Zimmermann: Menschenrechtliche Aspekte von StaatsbürgerInnenschaft am Beispiel der "Ausgelöschten" in der Republik Slowenien Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34815-menschenrechtliche-aspekte-von-staatsbuergerinnenschaft-am-beispiel-der-ausgeloeschten-in-der-republik-slowenien_41855, veröffentlicht am 12.04.2012.
Buch-Nr.: 41855
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Studentin, MA Medien-u. Kommunikationswiss./Politik/Slavistik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
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