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/ 21.06.2013
Nicola Spakowski

"Mit Mut an die Front" Die militärische Beteiligung von Frauen in der kommunistischen Revolution Chinas (1925-1949)

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2009; X, 420 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-412-20294-1
Geschichtswiss. Habilitationsschrift FU Berlin. – Spakowski legt eine umfassende Bestandsaufnahme der Teilhabe von Frauen am revolutionären Kriegsgeschehen bis zum Sieg der KPCh im Jahre 1949 vor. „Im Zentrum der Untersuchung stehen die Begriffe ‚Kontext’, ‚Interessen’ und ‚Konflikt’, mit denen ein Ansatz umrissen wird, der auf die militärische Praxis als Verhandlungsprozess abhebt.“ (5) Dieser Ansatz ermöglicht es, genau auf die Interessen der historischen Akteure zu sehen, ihre Wünsche, Erwartungen und Zielen zu berücksichtigen und die Konflikte darzustellen, die sich aus deren unterschiedlichen Interessen und den mehrdeutigen Rollenerwartungen ergaben. Spakowski vermeidet damit, den Erfolg oder Misserfolg der Soldatinnen (allein) an der Frage ihrer Emanzipation zu messen. Und tatsächlich zeigt sich, dass viele junge Frauen besonders aus dem ländlichen Raum sich vor allem aus ökonomischen und sozialen Motiven der Armee anschlossen, dieser kam die Funktion einer Ersatzfamilie zu – viele Frauen waren vor Zwangsehen geflüchtet. Nur einige besser gebildete Frauen sahen „in der Rolle als Soldatin feministische und nationalistische Momente vereint“ (370). Allerdings wurden die Soldatinnen in der Armee meist nicht geachtet; viele verloren in den Schlachten ihr Leben, eine Gefangennahme bedeutete häufig Zwangsverheiratung oder Versklavung. Für den Dienst in der Armee selbst ergibt sich der wenig überraschende Befund, dass die Soldatinnen eher nicht kämpften, sondern fern von der Front eingesetzt wurden. Mit fortschreitender Konsolidierung der kommunistischen Herrschaft kam es zudem – obwohl sich die Bewegung die Emanzipation auf die Fahnen geschrieben hatte und die Frauen als Staatsbürgerinnen in die Pflicht nehmen wollte – wieder zu eindeutigen Rollenzuweisungen und einer Einengung des Handlungsspielraums. Nur einzelne Frauen konnten nach 1949 in politisch-militärische Ämter aufsteigen. Noch heute „erhalten [sie] Ideale präsent, die unter den damaligen Umständen keine Verwirklichung finden konnten.“ (374)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.222.252.27 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Nicola Spakowski: "Mit Mut an die Front" Köln/Weimar/Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30435-mit-mut-an-die-front_36133, veröffentlicht am 19.08.2009. Buch-Nr.: 36133 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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