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/ 22.06.2013
Tomasz Kamusella / Krzysztof Jaskułowski (Hrsg.)

Nationalisms Today

Oxford u. a.: Peter Lang 2009 (Nationalisms Across the Globe 1); XVI, 318 S.; pb., 48,80 €; ISBN 978-3-03911-883-0
Der Band eröffnet die Schriftenreihe „Nationalisms across the Globe“, sodass eine theoretische und/oder empirische Grundlegung zum Gegenstand der Reihe zu erwarten war. Tatsächlich aber ist „Nationalisms Today“ ein konzeptionell schlecht aufeinander abgestimmtes Sammelsurium von Beiträgen, die zum Teil nur im weitesten Sinne etwas mit dem Thema Nationalismus zu tun haben. Eine klare Linie lassen die Herausgeber bei der Auswahl der geografischen Schwerpunkte wie der einzelnen Beiträge vermissen. Den Schwerpunkt des Bandes bilden neun Einzelfallstudien über Mittel- und Osteuropa sowie Südafrika, die sich mit gänzlich disparaten (historischen und aktuellen) Themenfeldern befassen. Während es in einigen der Texte tatsächlich um Nationalismus geht, handeln andere schwerpunktmäßig von Sprach- und Identitätspolitik, und nationalismustheoretische Fragen spielen nur am Rande eine Rolle. Bei dem für sich genommen interessantesten Aufsatz, „Reactionary Modernism in Interwar Romania“ von Calin Cotoi, handelt sich sogar um eine ausschließlich biografische Studie. Die diesen Einzelfallstudien vorangestellten zwei Beiträge scheinen (ganz klar wird auch das nicht) den theoretischen Rahmen des Bandes abstecken zu sollen – und unterscheiden sich dabei in ihrer Qualität ganz erheblich. Während Brian Porter-Szücs einen gut informierten, instruktiven Überblick über die Entwicklung der Nationalismustheorien gibt, werden in einem Interview mit dem Soziobiologen Pierre van den Berghe Ideen für die sozialwissenschaftliche Nationalismusforschung angepriesen, von denen man sich – aus gutem Grund – spätestens seit Max Weber verabschiedet hat: Berghe hält die biologisierende Idee der primordialen Kollektive hoch, analogisiert zwischen familiaren und ethnischen Strukturen und fahndet nach der Biologie des Sozialen. Für die Nationalismusforschung nutzt dies rein gar nichts, im Gegenteil: Es ebnet einer völkisch-biologistischen Lesart den Weg, für die sich in der Nationalismusforschung eigentlich schon lange niemand mehr wirklich erwärmen konnte.
Samuel Salzborn (SZ)
Prof. Dr., Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft, Georg-August-Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.232.612.622.67 Empfohlene Zitierweise: Samuel Salzborn, Rezension zu: Tomasz Kamusella / Krzysztof Jaskułowski (Hrsg.): Nationalisms Today Oxford u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32131-nationalisms-today_38327, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 38327 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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