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/ 22.06.2013
Nikolaus Brauns / Brigitte Kiechle

PKK – Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes: Zwischen Selbstbestimmung, EU und Islam

Stuttgart: Schmetterling Verlag 2010; 510 S.; brosch., 26,80 €; ISBN 978-3-89657-564-7
Die Autoren schildern zunächst die Geschichte der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), um sich anschließend ausführlicher und mit sympathisierender Grundhaltung der jüngeren Entwicklung und den Perspektiven der PKK zu widmen. In der Einführung schreiben sie, dass die Darstellung unter dem Blickwinkel der Anerkennung der berechtigten Interessen der kurdischen Bevölkerung erfolge und einen Blick „jenseits des Totschlagarguments ‚Terrorismus‘“ (15) ermöglichen solle. Tatsächlich blenden Brauns und Kiechle diesen auch nicht gänzlich aus, eine kritische und detaillierte Auseinandersetzung mit den gewalttätigen Aspekten der kurdischen Kämpfer fehlt dennoch. So zitieren sie u. a. eine Passage aus einem Beschluss des PKK-Führungskaders von 1984, in der erklärt wird, dass die Bedingungen für einen „legalen politischen Kampf“ (54) nicht mehr existieren und mithin Gewalt angewendet werden müsse. Ganz abgesehen davon, dass nichts die Verschleppung von Touristen oder Attentate rechtfertigt: Brauns und Kiechle diskutieren nur am Rande, dass sich die politischen Bedingungen seit 1984 gewandelt haben, was auch für die Einstellung der PKK zur Gewaltanwendung Folgen haben müsste. Sie kritisieren allerdings, dass die PKK nach einer Gerichtsentscheidung vom Europarat einfach erneut auf eine EU-Liste von Terrororganisationen gesetzt wurde. Dass das Gericht aber nur mit Verfahrensfehlern argumentiert hatte, erörtern sie wieder nicht im Detail. Sie kritisieren zudem, dass die „Befriedungspolitik des Westens“ sich nicht an den Interessen und Vorstellungen der kurdischen Bevölkerung orientiere, „sondern ausschließlich an der Durchsetzung und Absicherung der eigenen Pläne in der Region“ (492) interessiert sei. Dem Westen gehe es darum, die PKK als Störfaktor bei der imperialistischen Ausplünderung kurdischer Gebiete auszuschalten. Ein Frieden im Nahen und Mittleren Osten sei, so sind Brauns und Kiechle überzeugt, nur im Rahmen einer freiwilligen Föderation, nicht im ethnischen Nationalstaat oder den vom Imperialismus irrational gezogenen Grenzen möglich. Da der Weg zum bürgerlichen Nationalstaat versperrt sei, könne eine Befreiung Kurdistans nur durch eine „Überwindung der am Profit orientierten Wirtschaftsform“ (499) gelingen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.222.252.27 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Nikolaus Brauns / Brigitte Kiechle: PKK – Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes: Zwischen Selbstbestimmung, EU und Islam Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32162-pkk--perspektiven-des-kurdischen-freiheitskampfes-zwischen-selbstbestimmung-eu-und-islam_38360, veröffentlicht am 16.08.2010. Buch-Nr.: 38360 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA