/ 04.06.2013
Antonie K. Nord
Politische Partizipation in einer blockierten Demokratie. Das Beispiel Äthiopien
Hamburg: Institut für Afrika-Kunde 1999 (Arbeiten aus dem Institut für Afrika-Kunde 102); 163 S.; 20,- DM; ISBN 3-928049-57-7Politikwiss. Diplomarbeit Hamburg; Gutachter: R. Tetzlaff, V. Matthies. – Nach dem Ende des dreißig Jahre dauernden Krieges mit Eritrea schien Äthiopien Anfang der Neunzigerjahre für kurze Zeit dem Weg zahlreicher afrikanischer Länder zu folgen und einen demokratischen Neubeginn zu unternehmen. Dass dieser Versuch zumindest vorläufig gescheitert ist, erscheint heute - nicht nur in Anbetracht des erneuten Kriegesausbruchs - mehr als offensichtlich. Nord gelingt es in ihrer Studie zu zeigen, dass die ersten Anzeichen für eine derartige autoritäre Regression bereits früh zu erkennen waren. Auf Grundlage von qualitativen Interviews mit Mitarbeitern von rund fünfzig äthiopischen NGOs betrachtet die Autorin die heterogenen Einstellungsmuster innerhalb der Zivilgesellschaft des Landes. Die Kriegsmüdigkeit und die Hoffnung auf einen stabilen Frieden treten hierin ebenso deutlich hervor, wie die Legitimationsdefizite der aktuellen Regierung des Landes. Besondere Aufmerksamkeit kommt in diesem Zusammenhang den mit politischer Partizipation verbundenen Erwartungen und Befürchtungen zu. Insbesondere die negativen Erfahrungen mit den Folgen politischen Engagements im Kaiserreich und unter dem Militärregime wirken dabei bis in die Gegenwart nach und veranlassen relevante Teile der Zivilgesellschaft, sich heute jedweder politischen Einmischung zu enthalten.
Im Hinblick auf die Überlebensperspektiven der jungen Demokratien Afrikas wird jedoch gerade dem politischen Engagement seitens der Zivilgesellschaft eine besondere Bedeutung beigemessen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Erweiterung der Entwicklungshilfe um Projekte angebracht, in denen konkret die Zivilgesellschaft gefördert wird. Nord, die selbst in einem derartigen Projekt tätig war, zeigt anschließend, wie sehr die Erfolgsbedingungen solcher Ansätze der Demokratieförderung vom politischen Kontext in einem Land bedingt werden.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.67 | 2.2 | 2.22 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Antonie K. Nord: Politische Partizipation in einer blockierten Demokratie. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4678-politische-partizipation-in-einer-blockierten-demokratie_13386, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13386
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