/ 18.06.2013
Baruch Kimmerling
Politizid. Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk. Aus dem Englischen von Dirk Oetzmann und Horst M. Langer
München: Diederichs 2003; 224 S.; geb., 19,95 €; ISBN 3-7205-2375-6Kimmerling ist Professor für politische Soziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem und Gastprofessor an der Universität Toronto. Er gehört zu den Unterzeichnern des Friedensappells israelischer Wissenschaftler. Mit dem Titel seines zornigen Buches definiert er die seiner Meinung nach systematische Zerstörung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Identität des palästinensischen Volkes durch Israel. Er bezeichnet Ariel Sharon als einen Staatschef, der die geopolitische Landschaft im Nahen Osten ohne Rücksicht auf Verluste umgestaltet: Sharons Innen- und Außenpolitik ziele allein darauf ab, die Identität und die Infrastruktur des palästinensischen Volkes zu vernichten. Kimmerling nennt Israel gar ein „semi-faschistisches Regime" (8), was sich insbesondere in drei Entwicklungen äußert: drastischen Beschneidungen der Meinungsfreiheit, einem verstärkten Einfluss des Militärs auf Politik und Medien und in der Herausbildung eines informellen Regimes, „in dem Entscheidungen in verschiedensten Bereich nur von einer einzigen Person getroffen werden: Ariel Sharon" (10). Der Autor warnt davor, dass Sharons Politik letztlich die humanistischen Werte der eigenen jüdisch-israelischen Gesellschaft zerstören und diese in den Ruin führen werde.
Aus dem Inhalt:
1. Vergangenheit und Gegenwart
Innere Widersprüche und Krisen
Historischer Kontext
Der erste Versuch des Politizids
Ideologie und militärische Praxis
Die Errichtung einer Herrenvolk Republik
Sharons erste Runde
Der Hüter der Siedler
Der zweite Versuch des Politizids
Der Horror von Sabra und Shatila
2. Der Weg in den Sharonismus
Vom Bürgeraufstand zum Krieg zwischen den Gemeinschaften
Oslo
Die Gründung der Palästinensischen Nationalbehörde
Vom Beinah-Abkommen zum Patt
Das Debakel von Camp David
3. Die Rückkehr
Die Veränderung der israelischen Gesellschaft
Der „neue" Sharon
Der dritte Versuch des Politizids
Was ist nun von der Linken übrig geblieben?
Der gewaltlose Guerillakrieg
Schlussfolgerungen: Der Politizid in vollem Gang
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 2.25 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Baruch Kimmerling: Politizid. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19874-politizid_23134, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23134
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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