/ 21.06.2013
Helen Schwenken
Rechtlos, aber nicht ohne Stimme. Politische Mobilisierungen um irreguläre Migration in die Europäische Union
Bielefeld: transcript 2006 (Global Studies); 372 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-89942-516-1Politikwiss. Diss. Kassel; Gutachter: I. Lenz, C. Scherrer. – „Irreguläre“ Migration ist ein weit verbreitetes, in der Forschung aber vernachlässigtes Phänomen. Schwenken untersucht sowohl die transnationale politische Mobilisierung einer spezifischen Gruppe von Migranten – solche ohne formale Repräsentations- und Artikulationsrechte – in der EU-15 als auch die Strategien des Lobbyings von „pro migrant“-Organisationen in Brüssel. Sie verbindet damit die Bewegungs- und Migrationsforschung und leistet ebenso einen Beitrag zur EU-Forschung. Da neben der Illegalisierung die Feminisierung ein weiteres Kennzeichen von Migrationsprozessen ist, legt sie ein besonderes Augenmerk auf die Analyse geschlechtsspezifischer Forderungen. Die Autorin widmet sich somit einem Extremfall der politischen Organisierbarkeit und Vertretung von „schwachen Interessen“. Sie kombiniert dabei etablierte Ansätze der Forschung zu sozialen Bewegungen: den Framing-Ansatz mit dem der Gelegenheitsstrukturen. Insbesondere die Analyse von Konflikten in geografischen „Grenzräumen“ erweise sich als fruchtbar, da hierdurch politische Subjekte in den Blick geraten, die durch die übliche „Brüsselfixierung“ mit ihrer Konsensorientierung in der Forschung ansonsten außen vor bleiben. Aufbauend auf zwei Fallstudien (Rote-Kreuz-Zentrum in Sangatte, RESPECT-Netzwerk) entwickelt Schwenken eine Typologie politischer Mobilisierung. Unter Migranten selber dominiere der Mobilisierungstyp, der das „Recht auf Rechte“ einfordere. Sie zeigt, dass insbesondere im zweiten Typus der „Re-Regulierung“ frauenpolitische Framing-Strategien erfolgreich sein und Gelegenheitsstrukturen eröffnen können. Die verbreitete diskursive Verschränkung von Migration und Sicherheit (Typ restriktives Migrationsmanagement) habe hingegen zu einer partiellen Schließung von Gelegenheitsstrukturen geführt. Ein Wandel könnte sich durch ein stärker an Kriterien ökonomischer Nützlichkeit orientiertes Framing (billige Arbeitskräfte) ergeben, woraus neue Bündnispartner (v. a. Gewerkschaften) resultieren könnten, so Schwenken.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 3.4 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Helen Schwenken: Rechtlos, aber nicht ohne Stimme. Bielefeld: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26506-rechtlos-aber-nicht-ohne-stimme_30897, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30897
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Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
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