/ 18.06.2013
Judith Huber
Risse im Patriarchat. Frauen in Afghanistan. Fotos von Valeri Nistratov
Zürich: Rotpunktverlag 2003; 241 S.; brosch., 21,- €; ISBN 3-85869-260-3Die journalistisch geschriebene Arbeit gibt einen Einblick in die Lebensbedingungen der Frauen in Afghanistan. Es werden drei - durchaus untypische, weil gebildete und emanzipierte - Frauen porträtiert, die sich seit Jahren nicht selten unter Lebensgefahr für die Frauen in ihrem Land engagieren. Dabei zeichnet die Journalistin aber nicht nur die Biografien nach, sondern entfaltet ein fundiertes und kenntnisreiches Bild der schwierigen und manchmal auch widersprüchlichen Lebenssituation der afghanischen Frauen. Zudem verdeutlicht die Autorin immer wieder die historischen und kulturellen Wurzeln der massiven Unterdrückung der afghanischen Frauen, die in den 60er-Jahren wesentlich weniger aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen waren und weniger strengen Kleidervorschriften unterlagen als heute. Sie zeigt auf, dass sich der Alltag der afghanischen Frauen auch seit dem Sturz der Taliban nicht wesentlich verändert hat. Zwar seien bestimmte Repressionen tatsächlich weggefallen, doch die tagtägliche Unterdrückung, Abwertung und Ausgrenzung durch Männer seien weiterhin bestehende Tatsachen, genau wie das nach wie vor skandalös niedrige Ausbildungsniveau, das den Frauen fast jegliche Chance auf eine bessere Zukunft verbaue und auch für die nächste Generation kaum Verbesserungen erwarten lasse.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Judith Huber: Risse im Patriarchat. Zürich: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19835-risse-im-patriarchat_23089, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23089
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
CC-BY-NC-SA