/ 20.06.2013
Johannes Rau
Russland – Georgien – Tschetschenien. Der Konflikt um das Pankisi-Tal (1997-2003) Ein Handbuch
Berlin: Verlag Dr. Köster 2005 (Bewaffnete Konflikte nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes 18); 132 S.; 29,80 €; ISBN 3-89574-550-2Die bereits mehrfach besprochene Publikationsreihe erreicht mit dieser Studie ihren vorläufigen Tiefpunkt. Der als Kenner der Kaukasus-Region gepriesene Autor legt eine unsystematische, durchgehend deskriptive Darstellung vor, deren Fragestellung im Dunklen bleibt. Warum der Konflikt eine „normale gesetzmäßige Begleiterscheinung der Herausbildung der Neuen Weltordnung, der im ganzen gesehen progressiven Evolution der internationalen Gemeinschaft“ (13) sei, wird, wie auch viele andere unverständliche Thesen und Behauptungen, nicht erläutert. Zahlreiche sachliche Fehler (die BTC-Pipeline war bei Erscheinen des Buches noch nicht durchgehend eröffnet und ist erst im Sommer 2006 in Betrieb gegangen, Gardabani ist ein Wärme-, kein Wasserkraftwerk etc.) hätten durch eine kurze Internet-Recherche vermieden werden können. Dass die Präsenz „afroamerikanischer“ Soldaten in Abchasien (?) als Beweis für die Tätigkeit amerikanischer Dienste herhalten muss (52), ist naiv und unseriös. Dass Georgien 2004/05 durch eine Welle von Korruptionsprozessen „in Atem“ (89) gehalten wurde, kann nur Schlagzeilenwissen entstammen. Wie der Autor es schafft, im – immerhin anderthalbseitigen – Schlusskapitel „Die Rosenrevolution im November 2003 und ihre Auswirkungen auf das Pankisi-Tal-Problem“ diese Auswirkungen nicht anzusprechen und das Pankisi-Tal nicht einmal zu erwähnen, bleibt ein Rätsel. Ärgerlich sind gröbste handwerkliche Mängel beim wissenschaftlichen Arbeiten, die den analytischen Wert der „Untersuchung“ vollkommen gegen Null sinken lassen. Vorgebrachte Fakten und Meinungen stützen sich, wenn überhaupt belegt, ausschließlich auf Presseartikel. Es wird nicht erkennbar, an welchen Stellen auf die in einer „Auswahlbibliographie“ aufgeführte Sekundärliteratur zurückgegriffen wurde. Zahlreiche widersprüchliche chronologische Sprünge erschweren die Lektüre. Zusammenhanglos werden Kartenmaterial, Fotos und Zeitungsausschnitte verwendet, die Quellen teilweise nicht belegt. Das Buch ist schlecht geschrieben, schlecht lektoriert und insgesamt schlicht überflüssig.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 4.41 | 2.25 | 2.62 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Johannes Rau: Russland – Georgien – Tschetschenien. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25133-russland--georgien--tschetschenien_29091, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29091
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Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
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