/ 19.06.2013
Clyde Prestowitz
Schurkenstaat. Wohin steuert Amerika? Aus dem Amerikanischen von Stephanie Dreikauß
Düsseldorf: Artemis & Winkler 2004; 368 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-538-07181-0Anders als der etwas dramatische Titel vermuten lässt, stößt der Autor nicht in dasselbe USA-kritische Horn wie die meisten Autoren einer Reihe von politischen, häufig polemischen, jedoch nicht politikwissenschaftlichen Büchern, die seit dem Amtsantritt von Präsident Bush den deutschen Büchermarkt überschwemmen. Statt Einseitigkeit und Zuspitzung der Argumentation regieren hier Ausgewogenheit und Sorgfalt. Der Autor, Präsident eines wirtschaftswissenschaftlichen Think Tanks in Washington, wendet sich einerseits an seine amerikanischen Mitbürger und versucht ihnen zu erklären, warum die Welt sich scheinbar gegen sie stellt, und andererseits an die Menschen außerhalb Amerikas, indem er darauf verweist, dass und wie sie die guten Absichten Washingtons häufig missverstehen. Er analysiert dabei plausibel Amerikas ambivalente Rolle in der Weltpolitik, die Wurzeln der außenpolitischen Neuorientierung seit dem Ende des Ost-West-Konflikts und die Gründe für die wachsende Entfremdung der USA auch von langjährigen Verbündeten. Als entscheidend dafür sieht er die Ablehnung des Kyoto-Protokolls und des Abkommens zum Verbot von Landminen, den Rückzug aus dem ABM-Vertrag, schließlich die Entwicklung eines nationalen Raketenabwehrsystems, verbunden mit einem scheinbar inkonsequenten Verhalten gegenüber konfliktträchtigen Ländern wie Nordkorea, Afghanistan, China und Israel. Prestowitz verteidigt die außenpolitische Tradition der USA jedoch, wenn er betont, dass der häufig kritisierte amerikanische Exzeptionalismus nicht bedeute, dass Amerika als Imperium gedacht war und handeln sollte. Er fordert aber eine Abkehr von der Außenpolitik neokonservativer Prägung und ruft die Amerikaner dazu auf, sich darüber klar zu werden, was ihre Nation in der internationalen Politik sein will: eine Imperialmacht oder eine starke Macht neben anderen.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 4.45 | 2.63 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Clyde Prestowitz: Schurkenstaat. Düsseldorf: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20706-schurkenstaat_24150, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24150
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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