Skip to main content
/ 11.06.2013
Jörg Stolz

Soziologie der Fremdenfeindlichkeit. Theoretische und empirische Analysen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 336 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-593-36471-9
Diss. Phil. Zürich; Gutachter: H.-J. Hoffmann-Nowotny. - Es ist eine in der Politischen Kulturforschung vielfach belegte Einsicht, dass Fremdenfeindlichkeit in keinem direkten Zusammenhang zur Höhe des Ausländeranteils des jeweiligen Gebietes steht. Stolz setzt an diesem Befund an und will in einer individuenzentrierten Perspektive die "Einstellungen zu ausländischen Personen soziologisch erklären" (19). Das von ihm verwendete "integrative" Erklärungsmodell geht davon aus, dass die relevanten Einstellungen Ergebnis von (individuellen) Verarbeitungs-, Wahrnehmungs- und Problemlösungsprozessen sind, die in der Hauptsache von "strukturellen Determinanten" (gleich soziodemographische Variablen) und "nichtstrukturellen Determinanten" (gleich sozialpsychologische, kulturelle oder interaktionelle Dimensionen) beeinflusst werden (75 ff.). Auf der Basis multivariater Verfahren erörtert der Verfasser im umfangreichen empirischen Teil die Bedeutung der einzelnen Variablen detailliert (125 ff.). Als Hauptergebnis seiner Analysen hebt Stolz die tragende Rolle des "Traditionalismus-Syndroms" hervor, demzufolge "negative Einstellungen zu ausländischen Personen [...] Teil und Folge eines größeren, gegen den sozialen Wandel und die Modernisierung gerichteten Phänomens" sind (20). Spezifisch an dieser - an sich nicht neuen - These ist deren Interpretation als eine "Hyper-Dimension", die unterschiedliche, bisher zumeist separat eingesetzte Konzepte (wie Anomie, Rigorismus, Patriotismus) integriert (289 ff.). Überdies erweist sich der Traditionalismus auch als sozial (Merkmale: höheres Alter, geringes Bildungsniveau) determiniert (259 ff.). Die Studie ist im Rahmen eines von Hoffmann-Nowotny am Soziologischen Institut Zürich geleiteten Forschungsprojektes "Das Fremde in der Schweiz" entstanden. Die Daten der dabei 1994/95 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter rund 1300 Einwohnern der Stadt Zürich hat der Autor für seinen empirischen Teil verwendet. Aus dem Inhalt: Theoretischer Teil: 2.3 Die Struktur und die wichtigsten Determinanten von Einstellungen zu Ausländern und Ausländerinnen in der Schweiz und in Deutschland; 3. Die gesellschaftliche Immigrationssituation: 3.1 Immigrationsspezifische Parameter; 3.2 Immigrationsspezifische Probleme der Einheimischen. 4. Das integrative Modell: 4.1 Einstellungen zu ausländischen Personen; 4.2 Wahrnehmungsprozesse; 4.3 Problemlösungsprozesse (Funktionen); 4.4 Determinanten; 4.5 Drei Vereinfachungen des Modells. Empirischer Teil: 5. Empirische Einstellungen zu Ausländern und Ausländerrinnen: 5.1 Wie wichtig ist das Ausländerthema?; 5.2 Wissensstand der Befragten zum Ausländerthema; 5.3 Wie werden ausländische Personen wahrgenommen? 6. Sozialpsychologische Variablen: 6.1 Selbstzufriedenheit; 6.2 Anomia; 6.3 Rigorismus. 7. Politische Einstellungen: 7.1 Links-rechts; 7.2 Parteipräferenz; 7.3 Interesse an Politik. 8. Patriotismus; 9. Christliche Religiosität; 10. Werte; 11. Freizeit- und Konsumpräferenzen; 12. Die "Hyperdimension Traditionalismus". 13. Kontakt zu Ausländern und Ausländerrinnen; 14. Sozialstrukturelle Variablen: 14.2 Bildung; 14.3 Erwerbstätigkeit; 14.4 Beruf, Berufsprestige; 14.5 Alter; 14.6 Unzufriedenheit und Statusinkonsistenz. 15. Gesamtmodell.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.232.5 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Jörg Stolz: Soziologie der Fremdenfeindlichkeit. Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11921-soziologie-der-fremdenfeindlichkeit_14223, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14223 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA