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/ 20.06.2013
Ira Das

Staat und Religion in Indien. Eine rechtswissenschaftliche Untersuchung

Tübingen: Mohr Siebeck 2004 (Jus Ecclesiasticum 76); XX, 257 S.; Ln., 59,- €; ISBN 3-16-148494-0
Rechtswiss. Trier; Gutachter: G. Robbers, R. Hendler. - Die Bevölkerung Indiens richte ihr Verhalten weitgehend an religiösen Vorgaben aus, schreibt die Autorin. Gleichzeitig sei die Geschichte des Landes von der Toleranz der verschiedenen Religionen geprägt. In der Studie wird beschrieben, wie die Verfassung des Landes nach der Erlangung der Unabhängigkeit auf der Grundlage dieser historischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten formuliert wurde. Ziel war es, den inneren Frieden in der Indischen Union zu gewährleisten. Laut Verfassung seien alle Religionen gleich zu behandeln, wobei im Familien- und Erbrecht noch religiöse Regelungen zugelassen seien. Dies gelte allerdings nicht uneingeschränkt: Der Staat besitze weit reichende Kompetenzen, um diskriminierende oder menschenunwürdige Traditionen zu unterbinden. Der Säkularismus sei also ein spezifisch indischer, der anders als in Europa keine strikte Trennung von Staat und Kirche meine. „Nach indischer Auffassung hat der Staat vielmehr die Aufgabe, die Religion durch aktives Handeln auf ihre wesentliche Sphäre zu beschränken.“ (37) Neben diesem Grundkonzept analysiert die Autorin die Rechtsstellung des Einzelnen, die Förderung benachteiligter Bevölkerungsgruppen sowie die Rechtsstellung der Religionsgemeinschaften und die staatliche Kontrolle der Verwaltung von religiösem Eigentum, die der Vorbeugung von Misswirtschaft dienen soll. Außerdem werden Einzelfragen u. a. zum Verhältnis von Religion und Bildung erörtert. Insgesamt beschreibt die Autorin die verfassungsrechtlichen Regelungen als den einzig richtigen Ansatz, um die starke religiöse Verwurzelung der indischen Gesellschaft und die demokratischen Neuerungen miteinander zu versöhnen. Die pluralistische indische Gesellschaft könne nur auf der Basis dieses spezifischen säkularen Grundprinzips als eine zusammenstehende Nation existieren.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.682.232.21 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ira Das: Staat und Religion in Indien. Tübingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22898-staat-und-religion-in-indien_26148, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26148 Rezension drucken
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