/ 21.06.2013
Julia Stütz
"State-Building" aus theoretischer und praktischer Perspektive
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Nomos Universitätsschriften: Politik 158); 301 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-3828-4Diss. St. Gallen; Gutachter: D. Thomä, R. J. Schweizer. – State-Building ist eine relativ junge und keineswegs unumstrittene Strategie, die auf den Aufbau politischer Institutionen und Organisationen nach dem Vorbild des modernen Staates westlicher Prägung zielt. So beschreibt die Autorin ihren Untersuchungsgegenstand und definiert diesen im engeren Sinne als direkte und von externen Akteuren betriebene Politik in schwachen, gescheiterten oder kollabierten Staaten. State-Building reicht von groß aufgelegten humanitären Interventionen bis hin zu punktuellen entwicklungspolitischen Maßnahmen, an denen eine Vielzahl unterschiedlicher, zumeist westlicher Akteure beteiligt ist. Hinzu kommt, dass State-Buildung „noch weitgehender ad hoc-Regelung und -Planung [...] unterliegt“ und sich „eine gefestigte rechtliche Normierung und konkrete Praxis in seiner Umsetzung erst noch etablieren muss“ (20). Zudem sei der Gebrauch des Begriffes keineswegs einheitlich. Um zu einem besseren Verständnis von State-Buildung zu gelangen, unternimmt Stütz eine umfassende Analyse der damit verbundenen Zielsetzungen und der in der Praxis vorzufindenden Erscheinungsformen. Zudem legt sie die politikphilosophischen Grundannahmen, Legitimitätsprobleme und Widersprüche dar. Ihr Ziel ist es, eine normative Grundlage für State-Building zu entwickeln. Aus verschiedenen Staatstheorien leitet sie ein Raster von Staatsfunktionen ab, mit dem sich State-Building-Prozesse insgesamt theoretisch erfassen lassen und das zugleich als Planungs-, Koordinierungs- und Evaluationswerkzeug genutzt werden kann. Es spiegelt die den Zielsetzungen von State-Building innewohnenden Überzeugungen, wie etwa die von der Notwendigkeit eines starken Staates, wider und umfasst die fünf Funktionsbereiche Sicherheit, Politik, Infrastruktur und Verwaltung, Geld/Wirtschaft, Gesellschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten dieses Rasters zeigt Stütz anschließend am Beispiel verschiedener Akteurstypen und anhand von State-Building-Politiken in Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und Kosovo auf.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.41 | 2.2 | 4.41 | 4.3 | 2.61 | 2.68 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Julia Stütz: "State-Building" aus theoretischer und praktischer Perspektive Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30286-state-building-aus-theoretischer-und-praktischer-perspektive_35941, veröffentlicht am 24.03.2009.
Buch-Nr.: 35941
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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