/ 20.06.2013
Peter Waldmann
Terrorismus. Provokation der Macht
Hamburg: Murmann 2005; 294 S.; 2., vollst. überarb. Aufl.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-938017-17-1Wofür steht der Begriff „Terrorismus“? Welche Akteure, Ziele und Hintergründe lassen sich darunter subsumieren? Diesen Fragen widmet sich Waldmanns nicht zu Unrecht als „Standardwerk“ bezeichnete Monografie von 1998, die angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA und 2004 in Madrid als zweite Auflage vollständig überarbeitet erscheint. Das Buch zeichnet sich durch zurückhaltende Sachlichkeit aus und hebt sich von plakativen Darstellungen des angeblich „neuen“ Terrorismus wohltuend ab. Der Autor beschreibt jene „Provokation der Macht“, die er – verkürzt rekapituliert - als planmäßig vorbereitete Gewalttat gegen eine politische Ordnung definiert, die Schrecken verbreiten, aber auch Unterstützungsbereitschaft erzeugen soll. Unter Berücksichtigung verschiedener Ansätze aus Politikwissenschaft und Soziologie baut Waldmann dabei auf einer Darstellung geschichtlicher, strukturell-gesellschaftlicher und psychologischer Hintergründe auf, bevor er sich den gebräuchlichen Terrorismus-Typen widmet: sozialrevolutionärem, ethnisch-nationalistischem und rechtsradikalem Terrorismus sowie der religiös motivierten Erscheinungsform, die er besonders ausführlich beschreibt. Als Tendenz wird dabei - veranschaulicht durch übersichtliche Tabellen und Grafiken – für die vergangenen Jahre eine sinkende Zahl der terroristischen Anschläge festgestellt, zugleich steige aber die Anzahl der Todesopfer und die wahrgenommene Brutalität. Obwohl bei den Anschlägen vermehrt religiöse Motive im Vordergrund stünden und moderne Kommunikationsmittel eine dezentrale Organisation förderten, warnt Waldmann davor, Al Kaida als Archetyp für einen modernen, netzwerk-orientierten und religiös-fanatischen Terrorismus zu sehen. Da der Autor Terrorismus primär als Kommunikationsstrategie mit hoher symbolischer Funktion betrachtet, beschreibt er in weiteren Kapiteln die besondere Rolle der Medien im Kalkül der Attentäter sowie diverse Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung von Symptomen und Ursachen des Terrorismus.
Steffen Heinzelmann (STH)
Politikwissenschaftler, M. A., Press Officer, Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. (IASS) Potsdam.
Rubrizierung: 2.25 | 2.23 | 2.37 | 2.61 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Steffen Heinzelmann, Rezension zu: Peter Waldmann: Terrorismus. Hamburg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23992-terrorismus_27608, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27608
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Politikwissenschaftler, M. A., Press Officer, Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. (IASS) Potsdam.
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