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/ 22.06.2013
Thomas Faist / Nadine Sieveking (Hrsg.)

Unravelling Migrants as Transnational Agents of Development. Social Spaces in between Ghana and Germany

Wien/Berlin: Lit 2011 (Politik, Gemeinschaft und Gesellschaft in einer globalisierten Welt 11); VII, 227 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-90111-8
Seit den frühen 2000er-Jahren gehen die meisten Entwicklungstheoretiker und die wichtigsten Akteure auf dem Feld der Entwicklungspolitik – wie etwa die Weltbank – von einem positiven Zusammenhang von Migration und Entwicklung aus. Migranten unterstützen ihre Familien nicht nur finanziell, sondern auch sozial, sodass der kurzzeitige „brain drain“ durch einen mittelfristigen „brain gain“ aufgefangen werde, so die wichtigste These der Migrationsenthusiasten. Empirische Untersuchungen, die diesen positiven Effekt von Migration auf Entwicklung bestätigen würden, liegen bisher jedoch nicht vor. Der Anspruch, diese Forschungslücke zu schließen, wird auch in diesem Band nicht erhoben. Stattdessen untersuchen seine Autoren am Beispiel der Migration zwischen Ghana und Deutschland, wie sich lokale Lebenswelten und soziale Institutionen durch Migration verändern. Sie analysieren die soziale Unterstützungsleistung von sogenannten Rückkehrern, den deutsch-ghanaischen Austausch innerhalb von religiösen Organisationen sowie den Einfluss von neugegründeten, transnationalen kleinen Unternehmen auf Entwicklung und soziale Ungleichheit und sowie die Bedeutung von Emigration für tradierte lokale Hierarchien und Entscheidungsprozesse („chieftaincy“, 105). Die Autoren verpflichten sich einem „transnationalen Ansatz“ (12 ff.), der sich sowohl von einem methodologischen Nationalismus als auch von der Idee, Entwicklung müsse und könne nur nach dem Modell der westlichen Moderne funktionieren, verabschiedet. Stattdessen folgen sie einem offenen Entwicklungsbegriff und analysieren die transnationalen Verbindungen von Personen und sozialen Kollektiven und die Rolle von Institutionen in der Organisation transnationaler Räume. In allen vier Fallstudien wird die Grounded Theory mit qualitativen Methoden der Ethnografie wie Leitfadeninterviews und teilnehmender Beobachtung kombiniert.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.422.672.23 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Thomas Faist / Nadine Sieveking (Hrsg.): Unravelling Migrants as Transnational Agents of Development. Wien/Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33266-unravelling-migrants-as-transnational-agents-of-development_39780, veröffentlicht am 02.02.2012. Buch-Nr.: 39780 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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