/ 19.06.2013
Dieter Bingen / Włodzimierz Borodziej / Stefan Troebst (Hrsg.)
Vertreibungen europäisch erinnern? Historische Erfahrungen. Vergangenheitspolitik - Zukunftskonzeptionen
Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2003 (Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt 18); 328 S.; brosch., 24,80 €; ISBN 3-447-04839-5Die Herausgeber verfolgen ausdrücklich neben dem rein wissenschaftlichen auch ein politisch-gesellschaftliches Ziel. Sie wollen einen fundierten Beitrag zu einer Diskussion leisten, die seit 2003 an Vehemenz gewonnen hat und in manchen Medien ins Unsachliche abzugleiten drohte: der Frage, ob und wo ein Zentrum gegen Vertreibungen gegründet werden sollte. Mehr als vierzig internationale Wissenschaftler und Experten trafen sich im Dezember 2002 in Darmstadt und diskutierten über den Stand der historischen Forschung zur Vertreibung in Europa sowie über die Aufgaben, Inhalte und Methoden eines „Europäischen Zentrums gegen Vertreibungen". Letzteres war Konsens unter den Teilnehmen: Ein solches Zentrum sollte auf jeden Fall ein europäisches sein. Neben Überblicksbeiträgen über die Geschichte der Vertreibungen in Europa enthält der Band auch Artikel über die so genannten „ethnischen Säuberungen" Ende des letzten Jahrhunderts und zur Gedächtniskultur und Erinnerungspolitik in Europa.
Aus dem Inhalt:
Karl Schlögl:
Nach der Rechthaberei. Umsiedlung und Vertreibung als europäisches Problem (11-43)
Hans Lemberg:
Das Jahrhundert der Vertreibungen (44-53)
I. Das Jahrhundert der Vertreibungen. Massenfluchtbewegungen, Vertreibungen, Zwangsumsiedlungen im Europa des 20. Jahrhunderts
Podium 1: Massenflucht, Vertreibungen, „Bevölkerungsaustausch" im und nach dem Ersten Weltkrieg. Moderation W?odzimierz Borodziej
Fikret Adanir:
Die Aufarbeitung der osmanischen Armenierpolitik in der Republik Türkei (59-65)
Richard G. Hovannisian:
Expulsion and Genocide: The Armenian Case (66-70)
Holm Sundhaussen:
Prolegomena zu einer Geschichte der Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen im Balkanraum (71-76)
Podium 2: Zwangsmigrationen, Umsiedlungsaktionen, Massenflucht, Vertreibungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Moderation Detlef Brandes
Milan Olejník:
The Status of Ethnic Germans in Slovakia after World War II (95-101)
Victor Neumann:
Erzwungene Auswanderungen (102-109)
Piotr Madajczyk:
Formen der Zwangsmigration in Polen 1939-1950 (110-123)
Detlef Brandes:
Thesen zur Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei (124-126)
Aleksandr Gur'janov:
Überblick über die Deportationen der Bevölkerung in der UdSSR in den Jahren 1930-1950 (138-143)
Edita Ivani?ková:
Die Zwangsmigrationen auf und aus dem Gebiet der Slowakei Ende der dreißiger und in den vierziger Jahren (144-149)
László Szarka:
Ungarn in der Region (150-152)
Zoran Janjetovi?:
Die Vertreibungen auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien (153-157)
Podium 3: Zwangsmigration, Massenfluchtbewegung und Vertreibungen nach dem Kalten Krieg. Die Politik des Ethnic Cleansing. Moderation Stefan Troebst
Gazmend Pula:
Forced Migration and Mass Expulsion after the Cold War. Ethnic Cleansing as Policy - The Case of Kosovo (177-187)
Sonja Biserko:
Forced Migration, Mass Flight and Expulsion after the Cold War. Politics of „Ethnic Cleansing" (188-193)
Marie-Janine Calic:
„Ethnische Säuberungen" in Bosnien-Herzegowina (194-198)
Podium 4: Vertreibungen und Umsiedlungen im Europa des 20. Jahrhunderts. Vergleichbarkeit und Einzigartigkeit eines globalen Phänomens. Moderation: Klaus Ziemer
John S. Micgiel:
A Plea for a European Perspective (205-207)
Mathias Beer:
Umsiedlungen, Deportationen und Vertreibungen im Europa des 20. Jahrhunderts. Einzigartigkeit und Vergleichbarkeit (208-214)
Philipp Ther:
Die Ursachen von Zwangsmigrationen im 20. Jahrhundert und das geplante „Zentrum gegen Vertreibungen" (215-221)
II. Gedächtniskultur, Erinnerungspolitik und gemeinsame europäische Zukunft
Podium 5. Gedächtniskultur, Erinnerungspolitik und gemeinsame europäische Zukunft. Moderation: Kazimierz Wóycicki
Hans Koschnick:
Die deutsche Erinnerungskultur (235-241)
Kristina Kaiserová:
Memoiren - ein Beitrag zur Erinnerungskultur (242-247)
Ji?i Pešek:
Thesen (248-250)
Thomas Lutz:
Gedächtniskultur, Erinnerungspolitik und gemeinsame europäische Zukunft (251-260)
Krzysztof Ruchniewicz:
Die Kultur des Gedächtnisses in Polen, seine Erinnerungspolitik und die gemeinsame europäische Zukunft (261-265)
Podium 6: Welche Ziele könnte und sollte ein „Europäisches Zentrum gegen Vertreibungen" verfolgen? Aufgaben, Inhalte, Methoden. Moderation: Dieter Bingen
Adam Krzemi?ski:
Fünf Fragen (276-279)
Gideon Reuveni:
Zur Thematisierung des Holocausts (280-282)
Arnulf Baring:
Plädoyer für ein deutsches, ein deutsch-polnisches Zentrum - als ersten Schritt! (283-286)
Stefan Laube:
Aufgabe, Inhalte und Methoden eines europäischen Zentrums über Flucht und Vertreibung. Umrisse eines Konzepts (287-292)
Matthias Theodor Vogt:
Historischer Anspruch und Potential der Europastadt Görlitz/Zgorzelec als möglicher Sitz eines europäischen Zentrums gegen Vertreibungen (293-298)
Dieter Bingen / W?odzimierz Borodziej /Stefan Troebst:
Denkanstöße (316-318)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.42 | 2.62 | 2.63 | 2.23 | 2.25 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Dieter Bingen / Włodzimierz Borodziej / Stefan Troebst (Hrsg.): Vertreibungen europäisch erinnern? Wiesbaden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20570-vertreibungen-europaeisch-erinnern_23997, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23997
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M. A., Politikwissenschaftler.
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