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/ 20.06.2013
John W. Meyer

Weltkultur. Wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen. Hrsg. von Georg Krücken. Aus dem Amerikanischen von Barbara Kuchler

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2005 (Edition Zweite Moderne); 319 S.; kart., 15,- €; ISBN 3-518-41651-0
„World-Polity“ heißt der Forschungsansatz Meyers, von dessen Arbeiten aus den Jahren 1997 bis 2001 (ein Text datiert von 1987) hier erstmals einige nebeneinander gestellt und auf Deutsch veröffentlicht werden. Der Leser erhält so Einblick in eine hierzulande bislang zu wenig rezipierte Globalisierungstheorie. Der Name von Meyers Ansatz darf jedoch nicht verwirren: In ihm stehen nicht politische Institutionen, sondern ein breites Modell kultureller Ordnung im Mittelpunkt, das am ehesten vor dem Hintergrund von Webers und Sombarts Stichwort der „okzidentalen Rationalisierung“ verstanden werden kann. Die Grundlagen zur Idee der weltweiten Diffusion westlicher Ordnungsmomente werden im ersten Text über Ontologie und Rationalisierung im Zurechnungssystem der westlichen Kultur formuliert. Darin rekonstruiert Meyer die Bedeutung der Zweck-Mittel-Orientierung, des Universalismus, der Gerechtigkeit, der Individualität und des Sakralen für das abendländische Politikverständnis. Ein zweiter Theoriebeitrag zur kulturellen Konstruktion sozialer Agentschaft schließt sich an. In drei weiteren Texten steht der Nationalstaat im Mittelpunkt. Außerdem finden sich noch eine rechtssoziologische Untersuchung zum modernen Recht als säkularisiertem Modell globaler Ordnung, zur globalen Institutionalisierung der Bildung (einem Themenfeld mit dem Meyer bislang besonders bekannt geworden ist) und ein Beitrag zum globalen Umweltschutzregime. Schließlich steuert der Herausgeber Krücken nicht nur eine knappe Einführung, sondern auch einen Aufsatz bei, der den „world-polity“-Ansatz in der zeitgenössischen Globalisierungsdiskussion verortet. Aus dem Inhalt: John W. Meyer / John Boli / George M. Thomas: Ontologie und Rationalisierung im Zurechnungssystem der westlichen Welt (17-46) John W. Meyer / Ronald L. Jepperson: Die „Akteure“ der modernen Gesellschaft: Die kulturelle Konstruktion sozialer Agentschaft (47-84) John W. Meyer / John Boli / George M. Thomas / Francisco O. Ramirez: Die Weltgesellschaft und der Nationalstaat (85-132) John W. Meyer: Der sich wandelnde kulturelle Gehalt des Nationalstaats (133-162) John W. Meyer: Die Europäische Union und die Globalisierung der Kultur (163-178) Elisabeth Heger Boyle / John W. Meyer: Das moderne Recht als säkularisiertes globales Modell: Konsequenzen für die Rechtssoziologie (179-211) John W. Meyer / Francisco O. Ramirez: Die globale Institutionalisierung der Bildung (212-234) John W. Meyer / David John Frank / Ann Hironaka / Evan Schofer / Nancy Brandon Tuma: Die Entstehung eines globalen Umweltschutzregimes von 1870 bis 1990 (235-274) Georg Krücken: Der „world-polity“-Ansatz in der Globalisierungsdiskussion (300-318)
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 2.22.212.233.14.434.455.41 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: John W. Meyer: Weltkultur. Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22638-weltkultur_25831, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25831 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA