/ 20.06.2013
Susanne Schwalgin
"Wir werden niemals vergessen!" Trauma, Erinnerung und Identität in der armenischen Diaspora Griechenlands
Bielefeld: transcript Verlag 2004; VIII, 273 S.; kart., 26,80 €; ISBN 3-89942-228-7Diss. Münster; Gutachter: W. Kokot. – Die Ethnologin versteht Identität nicht als festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern vielmehr als immer wieder neu herzustellenden Prozess. Zentraler Kristallisations- und Bezugspunkt der armenischen Identität sei der Genozid im Jahre 1915. Damals waren die in der Türkei lebenden Armenier von der türkischen Regierung in ein Wüstengebiet des heutigen Syrien „umgesiedelt” worden, wobei rund 1,5 Millionen Menschen starben und rund eine halbe Million Armenier flüchtete. Im ersten Teil gibt die Verfasserin einen Überblick über die Geschichte, die soziale Struktur, die rechtliche Stellung und die Organisation der armenischen Gemeinden in Thessaloniki und Athen. Anschließend arbeitet sie am Beispiel der Feiern zum Gedenken an den Genozid heraus, welche Bedeutung die kollektive, meist ritualisierte Erinnerung an den Völkermord für die armenische Identität hat. Danach analysiert sie die Herstellung der armenischen Identität auf Individualebene, wobei sie auch die innerfamiliären Beziehungen zwischen den Generationen mit berücksichtigt. Abschließend erläutert Schwalgin die Relevanz ihrer Erkenntnisse für eine Theorie der Diaspora und arbeitet die besondere Bedeutung traumatischer Ereignisse für die Identitätsbildung heraus.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.61 | 4.42 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Susanne Schwalgin: "Wir werden niemals vergessen!" Bielefeld: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24162-wir-werden-niemals-vergessen_27833, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27833
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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