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/ 19.06.2013
Heidemarie Uhl (Hrsg.)

Zivilisationsbruch und Gedächtniskultur. Das 20. Jahrhundert in der Erinnerung des beginnenden 21. Jahrhunderts

Innsbruck u. a.: Studien Verlag 2003 (Gedächtnis - Erinnerung - Identität 3); 226 S.; 24,- €; ISBN 3-7065-1923-2
„Warum ist der Holocaust von einer partikulären, in der Gedächtnisgemeinschaft der Opfer verankerten Erinnerungskultur in das Zentrum des Gegenwartsgedächtnisses der westlichen Hemisphäre gerückt?" (9) Die Autoren beschreiben in ihren Antworten auf diese Frage einen Prozess, der mit dem Kriegsende begann und keineswegs abgeschlossen ist: Das Gedächtnis einer Gesellschaft sei nicht als ein statischer Speicher zu verstehen, schreibt die Herausgeberin, sondern als „kontingentes Produkt eines dynamischen Transformationsprozesses" (11). Da sich die Autoren mit der politischen Erinnerungskultur nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Osteuropa beschäftigen, werden zudem die Unterschiede deutlich. Während sich im Westen „,Auschwitz' als Referenz- und Angelpunkt der Geschichte der Moderne verdichtet" (10), benennt Kovács in ihrem Beitrag zwei Sätze, die über die ungarische Shoa fehlen: „Die Opfer der Shoa sind unsere Opfer" (210) und „Es schmerzt mich sehr!" (215). Solange die Shoa in Ungarn nicht als eigene Wunde erkannt werde, schreibt die Budapester Professorin, könne sie auch nicht in der gemeinsamen Erinnerung heilen. Die Beiträge des Bandes gehen zurück auf die 4. Internationale Konferenz des Forschungsprogramms „Orte des Gedächtnisses" der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die im November 2002 in Wien stattfand. Aus dem Inhalt: Dan Diner: Den Zivilisationsbruch erinnern. Über Entstehung und Geltung eines Begriffs (17-34) Oliver Marchart: Umkämpfte Gegenwart. Der „Zivilisationsbruch Auschwitz" zwischen Singularität, Partikularität, Universalität und der Globalisierung der Erinnerung (35-65) Cornelia Brink: Foto/Kontext. Kontinuitäten und Transformationen fotografischer Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen (67-85) Norbert Frei: Deutsche Lernprozesse. NS-Vergangenheit und Generationenfolge seit 1945 (87-102) Elisabeth Brainin: Gibt es eine transgenerationelle Transmission von Trauma? (103-114) Ines Garnitschnig / Stephanie Kiessling / Alexander Pollak: Generation ohne Erinnerung? Wehrmacht und Nationalsozialismus im Geschichtsbewusstsein von jugendlichen BesucherInnen der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" (115-136) Brigitte Straubinger: Erinnerung modo austriaco - zu Gerhard Fritschs ‚Österreich-Roman' „Moos auf den Steinen". Zum Umgang mit der NS-Zeit in der Literatur der Nachkriegszeit (137-151) Heidemarie Uhl: Von „Endlösung" zu „Holocaust". Die TV-Ausstrahlung von „Holocaust" und die Transformationen des österreichischen Gedächtnisses (153-179) Rudolf Jaworski: Umstrittene Gedächtnisorte in Ostmitteleuropa (181-195) Tomasz Szarota: Orte der Verbrechen und Massenmorde der Jahre 1939-1945 - in der Erinnerung bewahrt, in Vergessenheit geraten, nach Jahrzehnten wieder entdeckt (197-207) Éva Kovács: „Die nicht in Anspruch genommene Erfahrung". Zwei fehlende Sätze über die ungarische Shoa (209-221)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.232.352.622.4 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heidemarie Uhl (Hrsg.): Zivilisationsbruch und Gedächtniskultur. Innsbruck u. a.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21386-zivilisationsbruch-und-gedaechtniskultur_24960, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24960 Rezension drucken
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