/ 05.06.2013
Harald Haas / Franz Kernic
Zur Soziologie von UN-Peacekeeping-Einsätzen. Ergebnisse sozialempirischer Erhebungen bei österreichischen UN-Kontingenten
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998 (Forum Innere Führung 2); 255 S.; brosch., 58,- DM; ISBN 3-7890-5494-1Die Autoren stellen in diesem Buch einen Ausschnitt der Ergebnisse ihrer zwischen 1996 und 1997 durchgeführten sozialwissenschaftlichen Erhebung bei österreichischen UN-Kontingenten vor, die nicht im offiziellen Auftrag des Ministeriums für Landesverteidigung unternommen wurde, gleichwohl aber Gegenstand verschiedenster Diskussionen und Kritik in Österreich war. Ausgehend von der Annahme, daß die Eigenart der spezifischen Herausforderungen eines UN-Einsatzes die Militärsoziologie vor neue Aufgaben stelle, ordnen Haas und Kernic ihre Arbeit in den Zusammenhang ähnlicher Untersuchungen in anderen Ländern. Im Zentrum ihrer Erhebung steht das österreichische Kontingent der United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) auf den Golanhöhen. Die Fragebögen drehten sich hauptsächlich um die Motivation der Soldaten, ihre Erwartungshaltungen sowie Einstellungen gegenüber dem UN-Dienst allgemein sowie gegenüber der am Bevölkerung am Einsatzort. Die Befragungen der Soldaten fanden in mehreren Etappen und Gruppen von durchschnittlich 140 Personen statt. Sie begann beim Kommando-Auslandseinsätze in Wien vor Beginn des Einsatzes, umfaßte teilstrukturierte Tiefeninterviews und die teilnehmende Beobachtung von Haas und Kernic sowie schließlich eine abschließende Nachbetrachtung bei Rückkehr aus dem Einsatzgebiet. Als Vergleichsanalyse zu den UNDOF-Soldaten wurden österreichische IFOR-Soldaten herangezogen. Zu den auffälligsten Ergebnissen gehört die Einsicht, daß die Motivation zur freiwilligen Teilnahme am UN-Einsatz hauptsächlich durch die damit verbundenen finanziellen Anreize geprägt ist. Für Diskussionsstoff dürften einige der Ergebnisse gesorgt haben, wonach etwa "das IFOR-Kontingent einen deutlichen militanten Charakter - mit klarer Tendenz in Richtung eines spezifischen militärischen Elite- und Söldnerverständnisses - aufweist" (58), das sich zudem mit relativ geringen Kenntnissen über den Einsatz verbinde. Unabhängig von den konkreten Ergebnissen belegen Haas und Kernic die Relevanz und Notwendigkeit solch soziologischer Fragen zum Peacekeeping. Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang die Wiedergabe der umfangreichen Fragebögen im Anhang.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.3 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Harald Haas / Franz Kernic: Zur Soziologie von UN-Peacekeeping-Einsätzen. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7613-zur-soziologie-von-un-peacekeeping-einsaetzen_10113, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10113
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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