/ 22.06.2013
Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Hrsg.)
Deutsche Zweiheit – Oder: Wie viel Unterschied verträgt die Einheit? Bilanz der Vereinigungspolitik
Köln: PapyRossa Verlag 2010 (Neue Kleine Bibliothek 157); 253 S.; 16,90 €; ISBN 978-3-89438-447-0Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die sich als Pendant zu den „Fünf Wirtschaftsweisen“ der Bundesregierung versteht, will mit diesem Buch „eine empirisch gestützte differenzierte Analyse und Bewertung der ökonomischen und sozialen Entwicklung in Deutschland seit der Vereinigung mit dem besonderen Schwerpunkt des Umbaus in Ostdeutschland“ (8) vorlegen. Dies gelingt ihr bis auf vereinzelte Ausnahmen. An diesen Stellen kritisiert das politisch (eher) links beheimatete Autorenteam den Neoliberalismus und greift Aussagen des FDP-Politikers Karl-Heinz Paqué auf, um diese zu widerlegen. Das betrifft beispielsweise die Frage des Renommees der DDR-Industrieerzeugnisse im westlichen Ausland, wo die Autoren – anders als Paqué – „eine hohe Wertschätzung“ (43) beobachten. Insgesamt legt die Arbeitsgruppe eine mit viel statistischem Material versehene Analyse der wirtschaftlichen, sozialen und finanzpolitischen Entwicklung beider deutschen Staaten vor 1989/90 und des wiedervereinten Deutschlands vor. Dabei stellen die Autoren fest, dass „[d]ie Behauptung, die DDR sei Ende 1989 pleite gewesen, […] zu verneinen“ (51) sei und dass Ostdeutschland sich auch 2010 „noch weit von einer selbsttragenden wirtschaftlichen Entwicklung entfernt“ (74) befinde. Mit Blick auf die nicht unumstrittenen finanziellen Hilfen für die neuen Länder wird konstatiert, dass durch diese Zahlungen (u. a. Solidarpakt) ein „Transferkreislauf“ (102) entstanden sei, der insbesondere den Unternehmen im Westen zugute komme. Zusammenfassend erklärt die Arbeitsgruppe, „dass der Ost-West-Vereinigungsprozess ungeachtet vieler Verbesserungen alles in allem gescheitert ist“ (199). Deshalb legen die Autoren Ansätze für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland vor. Dazu gehören u. a. „[d]ie Herausbildung und Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, technologischer Cluster und Unternehmensnetzwerke“ (208), „eine Rekommunalisierung“ (209) privater Einrichtungen, die Förderung der „Rückkehr der Abgewanderten“ (210), und die „Fortsetzung der Transfers in einer bestimmten Größenordnung auch nach 2019“ (213).
Hendrik Träger (HT)
Dr., Politikwissenschaftler, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.3 | 2.314 | 2.315 | 2.342 | 3.1
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Hrsg.): Deutsche Zweiheit – Oder: Wie viel Unterschied verträgt die Einheit? Köln: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32821-deutsche-zweiheit--oder-wie-viel-unterschied-vertraegt-die-einheit_39198, veröffentlicht am 24.11.2010.
Buch-Nr.: 39198
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Dr., Politikwissenschaftler, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
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