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/ 21.06.2013
Nadine Stern

Familienpolitische Konzepte im Ländervergleich. Sprungbrett oder Stolperstein für erwerbstätige Mütter?

Marburg: Tectum Verlag 2007; 153 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9269-9
Sind familienpolitische Maßnahmen wie die Einführung von Vätermonaten nun förderlich für die Erwerbsintegration von Müttern oder setzen sie negative Arbeitsanreize? Dieser Frage geht Stern in einer vergleichenden Länderanalyse (Deutschland, Frankreich, Schweden) nach, wobei die Ergebnisse nicht sonderlich überraschend sind. Während die Maßnahmenpakete in Schweden von einer individuellen Förderung und in Frankreich von einer quasi neutralen Haltung gegenüber dem Familienstatus geprägt sind, reichen die deutschen Anstrengungen bislang kaum über das ehesubventionierte Steuersystem hinaus. Traditionelle Geschlechterarrangements können so nur langsam aufgebrochen werden. Reformbemühungen, so Stern, müssen daher auf eine Ausrichtung des Steuersystems auf die Familie, auf eine Neutralisierung gegenüber familiären Arbeitsteilungsprozessen (wie etwa das französische Familiensplitting) sowie eine Verbesserung der Kinderbetreuungseinrichtungen gerichtet sein. Sterns Studie stellt eine solide Übersicht familienpolitischer Maßnahmen in den drei untersuchten Ländern dar. Als länderspezifische Bestandsaufnahme mag es als Einstieg in die aktuelle politische Debatte hilfreich sein, über eine deskriptive Darstellung reicht es jedoch nicht hinaus. So lassen sich weder neue (streitbare) Thesen oder gar Alternativen zum bislang in Deutschland praktizierten Einernährermodell finden. Auch der Blick aus der Männer-Perspektive auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kommt deutlich zu kurz. Eine Betrachtung und Lösung des Vereinbarkeitsproblems und damit eine Änderung traditioneller Geschlechterverhältnisse kann jedoch nicht ernsthaft ohne die Sichtweise beider (potentieller) Elternteile auskommen. Fruchtbar für die weitere Diskussion in Deutschland wäre hier die Analyse der guten Erfahrungswerte aus Schweden und Frankreich gewesen. Damit wäre auch der Tatsache gerecht geworden, dass Familienpolitik nicht gleich Frauenpolitik ist. Und umgekehrt.
Eva Voß (EV)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Senior Referentin für Diversity Management bei der Bertelsmann AG.
Rubrizierung: 2.2632.3432.272.36 Empfohlene Zitierweise: Eva Voß, Rezension zu: Nadine Stern: Familienpolitische Konzepte im Ländervergleich. Marburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27653-familienpolitische-konzepte-im-laendervergleich_32469, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32469 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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