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/ 22.06.2013
Insa Breyer

Keine Papiere – keine Rechte? Die Situation irregulärer Migranten in Deutschland und Frankreich

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011; 417 S.; kart., 45,- €; ISBN 978-3-593-39497-8
Diss. FU Berlin und Amiens; Begutachtung: W.-D. Narr, P. Laborier. – „‚Irregularität‘ ist als das Produkt eines nationalstaatlichen Identifizierungsprozesses zu begreifen“ (348) und damit ein zutiefst politisches Phänomen. Den Erscheinungsformen der Illegalität von Migrantinnen und Migranten widmet sich Breyer in vergleichender Perspektive und zeigt so die Mechanismen auf, die zur rechtlichen und politischen Exklusion führen. Dafür zeichnet sie zuerst eine Skizze der jeweiligen Migrationsentwicklung in den Untersuchungsländern Deutschland und Frankreich, der Sichtbarkeit und öffentlichen Wahrnehmung von irregulären Migrantinnen und Migranten sowie des staatlichen Umgangs mit ihnen. Während Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland eher ein Leben in der Schattenwelt führen und durch im Hintergrund agierende Hilfsorganisationen und Netzwerke geschleust werden, wird in Frankreich weniger repressiv mit den sogenannten Sans-Papiers umgegangen, auch findet sich eine breitere Öffentlichkeit für deren Problematik. Es ergibt sich das Bild „einer Politik repressiver Ignoranz (Deutschland) versus einer Politik partieller Teilhabemöglichkeit (Frankreich)“ (272). Vor diesem Hintergrund richtet Breyer den Blick auf die konkreten Lebenswelten der Betroffenen und konzentriert sich dabei auf deren Zugang zu medizinischer Versorgung und Unterkünften sowie deren Perspektiven auf Legalisierung und die daran beteiligten Akteure – beratend oder durchführend. Für jeweils beide Länder zieht sie dafür quantitative Interviews, Beobachtungen, juristische Dokumente und Einschätzungen von Organisationen und weiteren Akteuren heran und analysiert diese aus unterschiedlichen soziografischen Perspektiven (mikro, städtisch, staatlich etc.). Die länderspezifisch sehr unterschiedlichen Ergebnisse zur Produktion von Irregularität sind dabei fruchtbarer Ansatzpunkt für die konkrete Beurteilung und Verbesserung der jeweiligen Zustände, sie machen darüber hinaus aber auch die Kluft zwischen international geltenden Abkommen und der nationalstaatlichen Willkür in deren Umsetzung noch deutlicher.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.2632.232.612.3432.354.42 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Insa Breyer: Keine Papiere – keine Rechte? Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34473-keine-papiere--keine-rechte_41405, veröffentlicht am 20.09.2012. Buch-Nr.: 41405 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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