/ 22.06.2013
Jan-Felix Schrape
Neue Demokratie im Netz? Eine Kritik an den Visionen der Informationsgesellschaft
Bielefeld: transcript Verlag 2010 (Sozialtheorie); 245 S.; 27,80 €; ISBN 978-3-8376-1533-3Diss. Regensburg. – Dem Phänomen des Web 2.0, in dem der Internetnutzer nicht mehr nur als Rezipient, sondern ebenso als Produzent von Online-Inhalten auftritt, wird insbesondere in der Demokratie- und Medienforschung zusehends mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders hervorgehoben wird dabei der gesellschaftsverändernde Charakter der neuen Technologien. Schrape setzt sich damit u. a. auf Basis der Systemtheorie Niklas Luhmanns kritisch und methodisch nachvollziehbar auseinander und vergleicht das derzeit vorherrschende Nutzungsverhalten der Deutschen mit den Wunschvorstellungen der aktiven Netzgemeinde. Relevant ist nach seiner Ansicht dabei vor allem die Auseinandersetzung mit den vermeintlich größten Konkurrenten alternativer Inhalte – den etablierten Massenmedien: Diese generieren durch ihre Berichterstattung zwar eine stark selektive Wirklichkeit, helfen jedoch, die täglich millionenfach stattfindenden Ereignisse in ein die Komplexität verringerndes Gesamtnachrichtengefüge einzubinden. Obwohl durch neue Möglichkeiten der Informationsdistribution, z. B. durch mobile Endgeräte oder soziale Netzwerke, eine neue Form der partizipativen Mediennutzung sowie die Verfügbarkeit alternativer Berichterstattung theoretisch im nicht unerheblichen Ausmaß zunehmen könnte, sieht die Wirklichkeit derzeit anders aus. Die etablierten Medien und der professionelle Journalismus bleiben der Dreh- und Angelpunkt gesellschaftlicher Themenakzentuierung, ihr selektiver Charakter bleibt auch in Zeiten von Web 2.0 erhalten. Ein Austausch zwischen den Massenmedien und der neuen Mitmachkultur im Netz fehlt bisher weitgehend. Schrape führt dies auf verschiedene Gründe zurück. Zum einen konstituiert sich die netzaffine Gemeinde um Blogger und aktive Forenteilnehmer um einen geringen, durch bestimmte Eigenschaften definierten Kreis von Nutzern, während der Großteil der Bevölkerung entweder aufgrund innovationsskeptischen Alters oder zu geringer Zeitressourcen weiterhin die Selektion der Massenmedien bevorzugt. Zum anderen findet das Gros der Internetkommunikation im privaten und unterhaltenden Bereich statt, der mit aktiver gesellschaftlicher Teilhabe nur wenig zu tun haben möchte.
Fabian Beigang (FB)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.333 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Fabian Beigang, Rezension zu: Jan-Felix Schrape: Neue Demokratie im Netz? Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33342-neue-demokratie-im-netz_39879, veröffentlicht am 19.01.2011.
Buch-Nr.: 39879
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M. A., Politikwissenschaftler.
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