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/ 11.06.2013
Heinz Berggruen

Abendstunden in Demokratie. Mit acht farbigen Reproduktionen von Bildern Paul Klees aus der Sammlung Berggruen

Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2000; 140 S.; 16,90 DM; ISBN 3-499-60874-X
Der Band, erstmals 1947 im Rowohlt-Verlag veröffentlicht, versammelt Texte des Autors, die zunächst als Glossen für die Wochenzeitschrift "Heute" geschrieben worden waren. Der Autor war, nach langjährigem Exil, 1945 mit den US-amerikanischen Truppen nach Deutschland zurückgekehrt und hatte im Rahmen des Entnazifizierungs- und Umerziehungsprogramms der US-Militäradministration für Deutschland die Chefredaktion der Illustrierten "Heute" übertragen bekommen. Seine beruflichen und persönlichen Kontakte verschafften ihm viele unmittelbare Einblicke in den Alltag einer deutschen Gesellschaft nach dem "Zusammenbruch", die mit den Folgen von NS-Herrschaft und Krieg zu kämpfen hatte beziehungsweise sich zu "arrangieren" versuchte. Seine dabei gewonnenen Eindrücke und durchaus ironischen Kommentare erschienen als "Nahaufnahmen" der ersten Nachkriegszeit unter dem Kolumnentitel "Angekreidet". Insbesondere seine Beobachtung: "Man lebte [schlecht] mit einer Vergangenheit, die keiner wahrhaben wollte. Niemand sei 'dabei' gewesen, [...]. Jeder hatte plötzlich jüdische Freunde." (11) tritt als Leitmotiv der wie Fallbeispiele für die unzureichende Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft, ihr mangelndes Schuldbewusstsein und Schamgefühl angelegten Texte deutlich hervor.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Heinz Berggruen: Abendstunden in Demokratie. Reinbek: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10807-abendstunden-in-demokratie_12778, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12778 Rezension drucken
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