/ 15.10.2015
Ariane Brill
Abgrenzung und Hoffnung. "Europa" in der deutschen, britischen und amerikanischen Presse, 1945-1980
Göttingen: Wallstein Verlag 2014 (Medien und Gesellschaftswandel im 20. Jahrhundert 2); 293 S.; geb., 36,- €; ISBN 978-3-8353-1537-2Diss. Potsdam; Begutachtung: F. Bösch – Der Band ist aus dem Verbundprojekt „Lost in Translation. Europabilder und ihre Übersetzungen“ hervorgegangen. Mit Methoden der Historischen Diskursanalyse sowie der Historischen Semantik analysiert Ariane Brill für den benannten Zeitraum die großen Zeitungen: die New York Times, die FAZ (bzw. vor deren Erscheinen, also bis Ende 1949, die Süddeutsche Zeitung) sowie The Times aus London. Von jedem zweiten Jahrgang betrachtet sie jeweils vier Monate (März bis Juni), insgesamt etwa 10.000 Artikel. Die Autorin, assoziierte Wissenschaftlerin am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, vermeidet dadurch bewusst die Fokussierung auf Schlüsselereignisse wie Verträge oder Wahlen. Ausgehend von der Hypothese, „dass sich Europavorstellungen und europäische Identifikationsmuster nicht nur durch Visionen der politischen Eliten herausbilden, sondern vielmehr auch durch alltägliche, öffentliche und gesellschaftliche Kommunikation entstehen“ (8), betrachtet sie Berichte und Kommentare, mit denen Journalisten dazu beitragen, ein öffentliches Bild Europas zu formen. Sie fragt nach wiederkehrenden Narrativen, nach Schlüsselbegriffen sowie Zuschreibungen zu und Erzählungen von Europa und untersucht deren Wandel im Zeitverlauf. Als Friedens‑ und noch stärker Sicherheitsprojekt im Kontext des Kalten Krieges wird Europa – womit ab Anfang der 1950er‑Jahre vor allem Westeuropa gemeint ist – natürlich häufig thematisiert. Doch Brill zeigt auch die Berichterstattung über Politik‑ und Wirtschafts/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 hinaus, zu Bereichen wie Sport, Kultur und Tourismus. Im Kulturbereich macht sie etwa als „wiederkehrendes und zeitunabhängiges Motiv“ (182) den Vergleich mit den USA sowie eine Kritik dortiger Massenproduktion (etwa der großen Hollywood‑Studios) aus. Brill fasst dabei jeweils zu Beginn eines Kapitels die wesentlichen Ereignisse sehr gelungen zusammen und bietet weiterführende Literaturhinweise. Allerdings verliert sie sich bisweilen in Einzelbeispielen, deren Signifikanz dann überbetont wird. Dennoch bietet ihre Studie eine lesenswerte, flüssig geschriebene Reise durch die europäische Geschichte, die durch klare Struktur und schlüssige Grundannahmen überzeugt. Fast zukunftsweisend bilanziert sie für den Untersuchungszeitraum „signifikante inhaltliche Unterschiede […] zwischen dem politischen Europa der Eliten und dem kulturell gesellschaftlichen Europa“ (264).
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Rubrizierung: 3.1 | 2.22 | 2.333 | 2.61 | 3.7 | 2.24 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Ariane Brill: Abgrenzung und Hoffnung. Göttingen: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38966-abgrenzung-und-hoffnung_46265, veröffentlicht am 15.10.2015. Buch-Nr.: 46265 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA