/ 21.06.2013
Angelika Koch
Allzeitverfügbar? Rechtsansprüche auf Teilzeit in der betrieblichen Praxis bei Hochqualifizierten mit Kindern
Münster: Westfälisches Dampfboot 2008 (Arbeit, Demokratie, Geschlecht 9); 267 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-89691-755-3Sozialwiss. Diss. Duisburg-Essen; Gutachter: G. Bäcker, U. Behrendt. – Die Autorin untersucht anhand ausführlicher Fallanalysen, wie sich in hochqualifizierten Positionen Berufstätigkeit und Familienaufgaben vereinbaren lassen. Dabei blickt die Autorin sowohl auf die Betriebsebene wie auch auf die individuelle Lebensführung, sodass die Geschlechterkonstruktionen und Familienmodelle der Akteure sichtbar werden. Hochqualifizierte werden allgemein als Angestellte mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss „sowie Beschäftigte in Führungspositionen“ (15) definiert. Ausgangspunkt der Studie ist die Umsetzung des Bundeserziehungsgeldgesetzes und des Teilzeit- und Befristungsgesetzes aus dem Jahr 2001, die Beschäftigten erstmals ermöglichen sollten, auch nach der Elternzeit die Arbeitszeit zu reduzieren – dies ausdrücklich auch auf den höchsten Ebenen der Betriebe. Mit einem handlungstheoretischen Ansatz, der sich am Konzept Sozialer Praxis Bourdieus orientiert, untersucht Koch fünf Fallbeispiele. Im Ergebnis stellt die Autorin fest, dass der Aspekt der Dauer der Arbeitszeit von zentraler Bedeutung ist. Die zunehmende Ausdehnung der Arbeitszeit führt zu einem Diskurs, „mit dem implizit verbunden ist, dass hochqualifizierte Berufs- und Fürsorgearbeit nicht miteinander vereinbar sind, und dem somit die Perspektive einer Trennung der gesellschaftlichen Sphären von Berufs- und Fürsorgearbeit innewohnt“ (234). Die Sphären werden zugunsten der Arbeit zudem hierarchisiert: „Arbeit als Lebensform“ (235). Die neuen Rechte werden also in der betrieblichen Praxis nicht durchgesetzt, da „institutionalisierte kollektive Interpretationsmuster fehlen, die die neu eingeführten sozialen Rechte als legitimierte Form gesellschaftlicher Praxis verankern“ (242). Abschließende Forderungen Kochs bestehen somit in der besseren Möglichkeit der Einklagbarkeit, Gender-Trainings in den Betrieben, einer Reservierung der gleichen Zeitdauer der Elternzeit für beide Partner und einer Neugestaltung der Arbeitszeiten „im Sinne eines modifizierten Normalarbeitszeitstandards“ (250).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.36 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Angelika Koch: Allzeitverfügbar? Münster: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30241-allzeitverfuegbar_35885, veröffentlicht am 03.03.2009.
Buch-Nr.: 35885
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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