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/ 22.06.2013
Helmut Martens / Uwe Dechmann

Am Ende der Deutschland AG. Standortkonflikte im Kontext einer neuen Politik der Arbeit

Münster: Westfälisches Dampfboot 2010; 292 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-89691-791-1
Bereits vor der Weltfinanzkrise traten vermehrt Standortkonflikte auf, schreiben die Autoren einführend. Trotz schwarzer Zahlen veranlasse der „Renditedruck der finanzmarktgetriebenen Globalisierung“ (15) gerade gesunde Unternehmen dazu, die Produktion und produktionsnahe Dienstleistungen frühzeitig zu verlagern. Die Konflikte zwischen Unternehmensleitungen, Betriebsräten und Gewerkschaften wandeln sich, sie nehmen an Heftigkeit zu, erläutern Martens und Dechmann. Daher fassen sie neben Ausführungen zu Konflikten bei Nokia, der Allianz oder Conti die drei größten Streiks um Sozialtarifverträge, die die IG Metall im Jahr 2006 führte, zu einer Fallstudie zusammen. Dabei handelt es sich um die Streiks um den Erhalt des Stammwerks der AEG in Nürnberg, bei Orenstein & Koppel sowie bei der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH. Die Autoren arbeiten verschiedene Trends heraus. Sie interpretieren Standortkonflikte als „Ausdruck einer erodierenden institutionellen Mitbestimmung“ (248). Zunehmend werde auch mittelmäßig und höher qualifizierten Angestellten durch die Verlagerung ihrer Tätigkeiten ihr normaler Arbeitnehmerstatus bewusst. Zudem sei höchst problematisch, dass die EU sich zwar als gemeinsamer Markt entwickelt habe, jedoch nicht als gemeinsamer Sozialraum. Martens und Dechmann kritisieren, dass damit die Sozialstaatsgebote einzelner Mitgliedsstaaten wie Deutschlands unterlaufen und eine Konzernpolitik anhand von Verlagerungsdrohungen überhaupt erst möglich werde. Die Autoren schlagen vor, dass sich die Gewerkschaften verstärkt auf den Mittelstand konzentrieren sollten, denn gewerkschaftliche Modernisierungskonzepte wie „besser statt billiger“ (244) fänden vor allem hier Ansatzmöglichkeiten. Problematisch sei, stellen Martens und Dechmann abschließend heraus, dass die Gewerkschaften „kein schlüssiges alternatives Konzept gegenüber jenen marktradikalen Konzernstrategien haben“, die beanspruchen, die „einzig mögliche Antwort“ auf den Wettbewerbsdruck zu sein (252).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Helmut Martens / Uwe Dechmann: Am Ende der Deutschland AG. Münster: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32224-am-ende-der-deutschland-ag_38442, veröffentlicht am 04.01.2011. Buch-Nr.: 38442 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA