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/ 21.06.2013
Josef Schmid / Harald Kohler (Hrsg.)

Arbeitsbeziehungen und Sozialer Dialog im alten und neuen Europa. Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Kooperationen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 331 S.; brosch., 22,- €; ISBN 978-3-8329-4020-1
Der Sammelband bietet eine Zusammenschau der Ergebnisse eines Projektes zur Bilanzierung der Entwicklung der industriellen Beziehungen im neuen Europa. Empirische Basis ist eine Untersuchung von sechs Staaten. Mit Deutschland, Frankreich und Italien wurden drei Vertreter des „alten Europas“, mit der Tschechischen Republik, der Slowakei und Kroatien zwei neue EU-Mitglieder sowie ein EU-Beitrittskandidat ausgewählt. Die einzelnen Beiträge sind ähnlich gegliedert in allgemeine Informationen zur sozioökonomischen Situation des Landes und spezielle Informationen zum sozialen Dialog zwischen Staat, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. Das vergleichende Vorgehen soll dabei auch den Blick auf das eigene System schärfen, indem Vor- und Nachteile sowie Spezifika anderer Systeme deutlich werden. Die Rolle des Staates ist in den drei östlichen Ländern nicht ausnahmslos positiv. Schröder spricht in diesem Zusammenhang sogar vom „staatlich inszenierte[n] Scheinkorporatismus“ (326). Die oft zahlreichen Arbeitsgesetze sollen in den EU-Beitrittsverhandlungen zwar soziale Anstrengungen zeigen, jedoch schlägt sich das nur selten in gesamtgesellschaftlichem Wohlstand nieder. Mindestlöhne liegen beispielsweise oft nur knapp über der Armutsgrenze und erfassen zudem nur wenige Arbeitnehmer. Dennoch stellen die Mindestlohnregelungen eine wichtige Ergänzung des Sozialen Dialogs dar. Die meisten Tarifverträge gelten nur für einzelne Unternehmen; das Instrument des Flächentarifvertrags ist nach wie vor unterentwickelt. Das Abschlusskapitel zeigt im Überblick die Entwicklung der Industriellen Beziehungen in allen mittel- und osteuropäischen Staaten der Europäischen Union. Die jüngsten EU-Mitglieder lassen sich bislang noch keinem der im westlichen Europa existierenden Muster (konfliktorientiert, pluralistisch, korporatistisch, sozialpartnerschaftlich) zuordnen. Ein eigener Typ scheint sich ebenfalls nicht ausgebildet zu haben. Vielmehr wird man eine Typisierung der Länder erst nach Abschluss ihrer Transformation vornehmen können.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.222.2622.3422.61 Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Josef Schmid / Harald Kohler (Hrsg.): Arbeitsbeziehungen und Sozialer Dialog im alten und neuen Europa. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30290-arbeitsbeziehungen-und-sozialer-dialog-im-alten-und-neuen-europa_35945, veröffentlicht am 17.03.2009. Buch-Nr.: 35945 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA