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/ 05.06.2013
Herbert Giersch

Arbeitslosigkeit in Deutschland: Was geht sie uns an?

Tübingen: Mohr Siebeck 1998 (Beiträge zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik 157); 51 S.; brosch., 44,- DM; ISBN 3-16-146993-3
"Augenscheinlich wollen die Deutschen - wissentlich oder unwissentlich - soviel Arbeitslosigkeit, wie sie haben" (36). Mit diesem Urteil ist für den Marktökonomen Giersch, wie er sich selbst als Volkswirt vorzugsweise nennt, die Ursache der Arbeitslosigkeit in Deutschland eindeutig: der Mangel an notwendiger Lohnflexibilität beruht nicht auf Marktversagen, sondern auf Politikversagen, denn der Lohn als Preis für die Arbeit ist für die Politik ein Tabuthema. Historisch und theoretisch rekonstruiert Giersch die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit mit Beginn der Lohnrunde 1974, wodurch sich die Bundesrepublik zum Hochlohnland entwickelte. Dieser Anstieg verfestigte sich durch die Immobilität der Arbeitnehmer, durch zu hohe Unterstützungsleistungen für Arbeitslose und die rigiden Flächentarifverträge. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit plädiert Giersch für eine Lohnpolitik, welche die Elastizität der Nachfrage nach Arbeit im Auge hat. Dafür bedarf es auch einer Reform der Arbeitslosenunterstützung, einer Sozialreform mit mehr Eigenverantwortung, einer Einschränkung des Kündigungsschutzes und eines größeren Wettbewerbs der Staaten. Eine mögliche Schlußfrage beantwortet Giersch selbst: "Ist dies neoliberaler Turbo-Kapitalismus? Kurzantwort: ja, damit es freiheitlicher zugeht, schneller vorangeht und Deutschland nicht weiter zurückfällt" (49). Inhalt: I. Zur Bewußtseinslage; II. Populäre Vorurteile; III. Professionelle Selbstzweifel; IV. Historische Episoden und theoretische Interpretationen; V. Neutrales Geld, natürliche Arbeitslosigkeit; VI. Vom Produktivitätswunder zur Sozialkrise; VII. Strukturwandel und Arbeitsmarkt-Sklerose; VIII. Geldpolitische Spielräume; IX. Reformdruck von außen; X. Reformbedarf im Innern; XI. Offener Zugang; XII. Historische Chancen und konkreter Handlungsbedarf.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Herbert Giersch: Arbeitslosigkeit in Deutschland: Was geht sie uns an? Tübingen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7259-arbeitslosigkeit-in-deutschland-was-geht-sie-uns-an_9686, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9686 Rezension drucken
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