/ 04.06.2013
Hubert Heinelt / Michael Weck
Arbeitsmarktpolitik. Vom Vereinigungskonsens zur Standortdebatte
Opladen: Leske + Budrich 1998; 224 S.; kart., 39,- DM; ISBN 3-8100-1989-5Im März 1997 verabschiedete der Deutsche Bundestag das "Arbeitsförderungs-Reformgesetz", das neue arbeitsmarktpolitische Instrumente sowie Änderungen in den Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und in der Arbeitslosenhilfe enthält. Die Autoren versuchen zweierlei: Sie beschreiben die Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik in Deutschland seit der Vereinigung und wollen erklären, warum es einen institutionellen und Policy-Wandel gegeben hat. Dabei sollen zwei Analyseebenen verbunden werden: institutionalisierte Regelungen wie die Finanzierung der Arbeitsmarktpolitik durch Sozialversicherungsbeiträge, die Finanzierungsverpflichtungen des Bundes und die aktive Arbeitsmarktpolitik strukturierenden Instrumentarien. Von diesen institutionellen Strukturen ausgehend wird der Frage nachgegangen, inwiefern "kulturelle Bestimmungsfaktoren" (13) die Handlungsorientierungen der maßgeblichen politischen Akteure prägten und sich in der Praxis als wirksam erwiesen. Zu den kulturellen Strukturen zählen sie liberale vs. sozialdemokratische Vorstellungen einer wirksamen Arbeitsmarktpolitik, Diskurse (Vereinigungspolitik und Sozialverträglichkeit), Mythen ("Abschwung-Aufschwung-" sowie "Wirtschaftswunder-Mythos") und generationsbedingte Einstellungen ("persönliche Bindungen an den Osten"). Heinelt / Weck kommen zu dem Ergebnis: Kulturelle Bestimmungsfaktoren (13) "strukturieren sowohl das Denken als auch das Handeln der Akteure, und sie sind darin nicht etwa weniger wirksam, als manifeste institutionelle Strukturen [...] Ihre Wirkung kann verblassen, wenn sich Opportunitätsstrukturen und ihre Wahrnehmung durch die Akteure verändern - wie das Auslaufen des vereinigungspolitischen Diskurses und mit ihm die Wirksamkeit der genannten beiden Mythen und die Bedeutung von Akteuren mit einer spezifischen generationellen Disposition verdeutlichen" (200).
Inhaltsübersicht: 1. Kontinuität und Wandel. Zur Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik nach der Vereinigung als Gegenstand politikwissenschaftlicher Forschung; 2. Entwicklungsphasen der Arbeitsmarktpolitik; 3. Politikfeldspezifische Besonderheiten der Arbeitsmarktpolitik; 4. Finanzierungsstruktur der Arbeitsmarktpolitik und ihre institutionelle Logik; 5. Instrumentenlogik und Veränderungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen; 6. Exkurs: Das wohlfahrtsstaatliche Regime Westdeutschlands vor der Vereinigung; 7. Arbeitsmarktpolitische Entscheidungen nach der Vereinigung. Vom 'Vereinigungskonsens' über die 'Standortdebatte' zur 'fürsorgerischen Arbeitsmarktpolitik'; 8. Zur Unterscheidung von Strukturaspekten und dem Prozeßhaften des Politischen.
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Hubert Heinelt / Michael Weck: Arbeitsmarktpolitik. Opladen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5642-arbeitsmarktpolitik_7346, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7346
Rezension drucken
Dr.
CC-BY-NC-SA