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/ 03.06.2013
Beatrix Bouvier

Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR 1945 - 1953

Bonn: Verlag J. H .W. Dietz Nachfolger 1996 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 45); 367 S.; hardc., 49,80 DM; ISBN 3-8012-4075-4
Die Studie der Mitarbeiterin des Instituts für Sozialgeschichte e. V., Braunschweig-Bonn, und Darmstädter Privatdozentin stellt einen wichtigen Beitrag zur Debatte über den Charakter der "Zwangsvereinigung" von SPD und KPD dar, die 1996 anläßlich des 50. Jahrestages mit großer Heftigkeit geführt wurde. Bouvier läßt, wie schon der Titel deutlich macht, keinen Zweifel daran, wie sie den Vorgang beurteilt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen bewußt nicht die ehemaligen Spitzenfunktionäre der SPD, deren Verhalten nicht beschönigt wird, sondern die "mittlere Ebene", d. h. Sozialdemokraten, die ihre politische Sozialisation vor 1933 erfahren hatten und die gerade auf dieser Ebene die Parteiarbeit trugen. Sie waren nicht erst mit der "Stalinisierung" der SED nach 1948, sondern bereits seit 1945 dem Druck der Besatzungsherrschaft und vielfältigen Repressalien und Verfolgungen ausgesetzt und wurden nach der Vereinigung zielstrebig durch "Kaderpolitik", Verhaftungen, Parteiüberprüfungen und ähnliche Mittel ausgeschaltet. Die Darstellung von Widerstand und Opposition, die in der Beteiligung am 17. Juni 1953 gipfelte, stellt einen Schwerpunkt der Arbeit dar. Auch die Bedeutung des Ostbüros der westdeutschen SPD für die Sozialdemokraten in der DDR wird beleuchtet. Man kann nur hoffen, daß differenzierte historische Forschung Eingang in die politische Debatte finden wird.
Torsten Oppelland (TO)
Prof. Dr., Politikwissenschaftler, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3132.331 Empfohlene Zitierweise: Torsten Oppelland, Rezension zu: Beatrix Bouvier: Ausgeschaltet! Bonn: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2129-ausgeschaltet_2589, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 2589 Rezension drucken
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