/ 11.06.2013
Heinrich Wilms
Ausländische Einwirkungen auf die Entstehung des Grundgesetzes
Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 1999; XIV, 341 S.; Ln., 168,- DM; ISBN 3-17-015287-4In mancherlei Hinsicht fühlt sich der Leser dieses Buches an ein anderes Werk aus dem selben Verlag erinnert: an Ernst Rudolf Hubers "Deutsche Verfassungsgeschichte". Äußere Aufmachung und Gang des Argumentes erinnern stark an Huber, und daß der Verlag eine vielbändige "Neueste Deutsche Verfassungsgeschichte" aus der Feder von Wilms plant, ist gleichfalls ein Hinweis - unter anderem deshalb, weil sie 1933 nahtlos an Hubers Werk anknüpfen kann. Inhaltlich kommt die Arbeit "zu dem Ergebnis, daß von einem übermäßigen Einfluß oder gar von einem Oktroi nicht die Rede sein kann, sondern das Grundgesetz eine eigene, selbständige Leistung des Parlamentarischen Rates darstellt. Auch soweit sich ausländische Einflüsse in ihm niedergeschlagen haben, geschah dies nicht etwa unter Druck, sondern aus der freien Überzeugung des Verfassunggebers." (295) Das ist nicht unbedingt eine erhebliche Abweichung vom bisherigen Kenntnisstand, aber Wilms stützt seine Analyse auf eine detaillierte Untersuchung der relevanten Protokolle und Dokumente. In ihren politisch-historischen Teilen ist die Arbeit, wie auch schon die Bücher Hubers, etwas stark referierend. Die Anmerkungen zu den in ihrer Länge recht ungleich gewichteten Kapiteln verzichten leider auf biographische Informationen über die Akteure.
Aus dem Inhalt: A. Der Einfluß ausländischer Mächte auf die Entstehung des Grundgesetzes: I. Die Stationen der Vorgeschichte des Grundgesetzes 1945 bis 1948; II. Von den Londoner Empfehlungen zu den Frankfurter Dokumenten. B. Die Frankfurter Dokumente und ihr Einfluß auf die Arbeit des Parlamentarischen Rates; C. Die Einflüsse ausländischen und internationalen Rechts auf die Entstehung des Grundgesetzes: §1 Der Herrenchiemseer Verfassungsentwurf als Arbeitsgrundlage des Parlamentarischen Rates und seine Bezüge zu ausländischem und internationalem Recht; §2 Der Einfluß auf die Einzelberatungen des Parlamentarischen Rates; §3 Ausländisches Verfassungsrecht in der deutschen Verfassungstradition und deren Einfluß auf den Parlamentarischen Rat. D. Die Militärgouverneure und der Parlamentarische Rat: I. Das Memorandum der Militärgouverneure vom 22. November 1948 zum Grundgesetzentwurf; VI. Das Memorandum der Alliierten vom 2. März 1949.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.313 | 2.32
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Heinrich Wilms: Ausländische Einwirkungen auf die Entstehung des Grundgesetzes Stuttgart/Berlin/Köln: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10594-auslaendische-einwirkungen-auf-die-entstehung-des-grundgesetzes_12521, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12521
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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