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/ 21.06.2013
Ursula Baatz / Hans Belting / Isolde Charim / Navid Kermani / Andrea Saleh

Bilderstreit 2006: Pressefreiheit? Blasphemie? Globale Politik?

Wien: Picus Verlag 2007 (Wiener Vorlesungen im Rathaus 122); 72 S.; geb., 7,90 €; ISBN 978-3-85452-522-6
Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte im September 2005 Karikaturen des Propheten Mohammed in Auftrag gegeben und abgedruckt mit der erklärten Absicht, die Grenzen des Tolerierbaren auszuloten. Monate später protestierten Muslime weltweit zum Teil gewalttätig gegen diese Karikaturen. Welche Spielräume hat die freie Meinungsäußerung? Gibt es in einer säkularisierten Gesellschaft überhaupt Blasphemie? Und welche Rolle spielten die Medien bei der Inszenierung dieses Skandals? Diese Fragen waren Thema bei einem Podiumsgespräch, dass im März 2006 im Wiener Rathaus stattfand. Die Journalistin Baatz kritisiert, dass die Karikaturen eigentlich gar keine waren, sondern – zumindest liege der Verdacht nahe – zur Diffamierung und Verhetzung des Islam benutzt wurden. Die Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Saleh weist darauf hin, dass in Dänemark Intoleranz und rechtsgerichtetes Denken seit Jahren zunehmen würden. Die Philosophin Charim sieht das Heilige in erster Linie als einen Banner, „unter dem sich Moslems weltweit gegen den Westen sammeln können“ (31). In seiner Antwort auf diesen „Kampf der kulturellen Ideologien“ müsse der Westen vermeiden, die Demokratie – die eine spezifische Form des nichtgläubigen Glaubens sei – wie einen Glauben zu behandeln. Ansonsten folge er dem Gegner auf dessen Terrain. „Dieses totalitäre Spiel kann man nicht gewinnen – man kann sich ihm nur verweigern.“ (33) Besonders hervorzuheben sind die Beiträge des Medientheoretikers Belting sowie des Orientalisten und Schriftstellers Kermani. Belting analysiert die Macht der Bilder und den Bilder-Krieg seit dem 11. September 2001 auch vor einem ökonomischen Hintergrund. Außerdem verweist er darauf, dass es auch im Westen geschützte Themen gibt (z. B. den Holocaust). Kermani hat weder für randalierende Moslems noch für die Redaktion des „Jyllands-Posten“ Sympathien übrig. Diese habe „eine Minderheit im eigenen Land über vier Monate hinweg zu einer Reaktion provoziert, die zur Rechtfertigung dienen sollte, eben diese Minderheit noch weiter zu marginalisieren“ (67).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.23 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ursula Baatz / Hans Belting / Isolde Charim / Navid Kermani / Andrea Saleh: Bilderstreit 2006: Pressefreiheit? Blasphemie? Globale Politik? Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26634-bilderstreit-2006-pressefreiheit-blasphemie-globale-politik_31051, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31051 Rezension drucken
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