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/ 11.06.2013
Norbert Berthold / Rainer Hank

Bündnis für Arbeit: Korporatismus statt Wettbewerb

Tübingen: Mohr Siebeck 1999 (Beiträge zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik 159); 134 S.; brosch., 48,- DM; ISBN 3-16-147154-7
Glaubt man dem Autorenduo, so bedarf es einer Detailanalyse des Bündnisses für Arbeit gar nicht, um zu einem Urteil zu gelangen. Denn über das als Wiederbelebung des unseligen korporatistischen Sonderwegs Deutschlands charakterisierte Kernprojekt der rot-grünen Regierung und das reformpolitische Lieblingskind des Bundeskanzlers hat der ökonomische Sachverstand das Urteil längst gefällt. Der Versuch, über tripartistische Absprachen und Verträge positive Beschäftigungseffekte und einen Rückgang der strukturellen Arbeitslosigkeit zu erreichen, ist demnach zum Scheitern verurteilt, da er den Wettbewerb verhindert, regionale und berufliche Mobilität erschwert und die Externalisierung von Kosten durch die Tarifparteien zu Lasten des (Sozial-)Staates zementiert. Die Fundamentalkritik von Berthold und Hank beschränkt sich nicht auf die deutsche Praxis, sondern erstreckt sich auf sämtliche korporatistischen Lösungsansätze einschließlich des andernorts als erfolgreich oder sogar vorbildhaft gepriesenen holländischen Modells. Als Rezepte gegen den korporatistisch induzierten Reformstau werden vorwiegend Klassiker der neo-liberalen Wirtschaftstheorie angeboten: Deregulierung, Lohnspreizung, Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme (mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung) und die Abkehr vom Flächentarifvertrag zugunsten betrieblicher Vereinbarungen als sogenannte Bündnisse für Arbeit. Unbeachtet der gelegentlich scharfsinnigen Analyse versteht sich der Band weniger als wissenschaftlicher Beitrag denn als Streitschrift für - in Umkehrung des Untertitels – "Wettbewerb statt Korporatismus". Inhaltsübersicht: 2. Worauf sind die Probleme auf den Arbeitsmärkten zurückzuführen?; 3. Kann eine korporatistische Wirtschaftspolitik die Probleme auf den Arbeitsmärkten lösen?; 4. Mehr Wettbewerb auf den Arbeitsmärkten, im Bereich des Sozialen und beim Föderalismus; 5. Evolution institutioneller Arrangements: Macht oder ökonomisches Gesetz?
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.2622.342 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Norbert Berthold / Rainer Hank: Bündnis für Arbeit: Korporatismus statt Wettbewerb Tübingen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11040-buendnis-fuer-arbeit-korporatismus-statt-wettbewerb_13053, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13053 Rezension drucken
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