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/ 20.03.2014
Irena Agata Szyszko

Bürgergemeinschaft oder postnationale Bürokratie? Legitimationsprobleme in der Europäischen Union – Demokratie, politische Kultur, Zivilgesellschaft

Zürich/Berlin: Lit 2014 (Politik und Moderne Geschichte 17); 465 S.; 54,90 €; ISBN 978-3-643-90330-3
Diss. Augsburg; Begutachtung: T. Stammen. – Seit den 1990er‑Jahren beschäftigt sich die EU‑Integrationsforschung mit den Legitimations‑ und Demokratiedefiziten der Europäischen Union. Die Zahl an wissenschaftlichen Arbeiten, in denen Problemanalysen vorgenommen und Lösungsstrategien vorgestellt werden, ist kaum zu überblicken. Die Autorin reiht sich mit ihrer Dissertation in diesen Forschungsstrang ein und fragt nach „Lösungsansätzen für die Behebung oder Milderung des Legitimationsdefizites“ (22). Im ersten Teil beschreibt Irena Agata Szyszko ausführlich die jeweiligen Debatten über die Referenden in Frankreich, den Niederlanden (2005) und in Irland (2008), die EU‑Integrationsschritte sowie die EU‑Institutionen. Nach dem ersten Teil zur Problembeschreibung verbleibt auch die weitere Diskussion der Legitimationsdefizite der EU auf einer formal beschreibenden und abstrakten Ebene. Ihre Aussagen stützt sie zwar auf zahlreiche Quellen, jedoch sind diese veraltet und größtenteils deutschsprachig, womit die Autorin teilweise hinter dem Forschungsstand liegt. Szyszkos Analyse hätte überdies von einer klaren methodischen Herangehensweise profitiert, weil sie zwar neben der Fachliteratur, EU‑Dokumenten und Umfragedaten auch „selbst geführte Interviews“ (23) mit EU‑Vertreter_innen miteinbezieht. Doch scheint sie diese nicht anhand einer konkreten (inhaltsanalytischen) Methodik auszuwerten. Eine stärkere Fokussierung auf das erhobene Interviewmaterial hätte jedoch interessante Einblicke in das Selbstverständnis der EU‑Institutionen und deren Mitarbeiter_innen gegeben, weil Szyszko immer wieder darauf hinweist, dass zwischen öffentlicher und institutioneller Wahrnehmung der Legitimations‑ und Demokratiedefizite der EU erhebliche Unterschiede bestehen. Eine tiefgehende Analyse mit Bezug darauf bleibt im zweiten Teil hingegen meist aus. Im letzten Teil widmet sich die Autorin „praktischen Lösungsansätzen“ (225), um die Legitimationsdefizite der EU zu beheben. Trotz der umfangreichen Diskussion verschiedener Vorschläge – auf rund 150 Seiten – unterbreitet Szyszko keinen neuen Vorschlag, sondern fordert wie viele andere auch eine Informationspolitik der EU, die Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit und die Förderung einer europäischen Zivilgesellschaft. Damit bringt die Autorin leider kaum neue Erkenntnisse in den Forschungsdiskurs ein.
Stefan Wallaschek (WAL)
Doktorand, Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS).
Rubrizierung: 3.43.13.72.612.22 Empfohlene Zitierweise: Stefan Wallaschek, Rezension zu: Irena Agata Szyszko: Bürgergemeinschaft oder postnationale Bürokratie? Zürich/Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36880-buergergemeinschaft-oder-postnationale-buerokratie_44987, veröffentlicht am 20.03.2014. Buch-Nr.: 44987 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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