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/ 22.06.2013
Fritz W. Scharpf

Community and Autonomy. Institutions, Policies and Legitimacy in Multilevel Europe

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Schriften aus dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln 68); 391 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39188-5
Scharpf veröffentlicht mit dieser Aufsatzsammlung eine Auswahl seiner analytischen Beiträge zur Entwicklung der Europäischen Integration von 1983 bis 2009. Schwerpunkte sind die Legitimitätsgewinnung durch Problemlösung, legislative und judiziarische Politikgestaltung im Rahmen der positiven und der negativen Integration und die Balance europäischer und nationaler Kompetenzen. In einem frühen Aufsatz zur „Joint Decision Trap“ (1983) legt Scharpf einer Beurteilung der Europäischen Gemeinschaft (EG) die föderalen Systeme der USA und der Bundesrepublik Deutschland zugrunde. Er arbeitet heraus, dass in bestimmten Politikbereichen durch die institutionelle Ausgestaltung der EG eine „Joint Decision Trap“ entstehen kann. Diese führt er strukturell auf die alleinige Entscheidungshoheit der Mitgliedstaaten und das Einstimmigkeitsprinzip bei Entscheidungen zurück. Die Entscheidungslogik hätte eine dynamische Weiterentwicklung der EG in politischer und institutioneller Hinsicht verhindert und die Eigeninteressen der Staaten würden weiterhin die institutionelle Entwicklung der EG verlangsamen. In einem Aufsatz von 2006 greift Scharpf diese Grundthese wieder auf und führt sie weiter aus. Nach den unterschiedlichen Vertragsrevisionen habe sich die EG bzw. die EU dennoch deutlich weiterentwickelt. In den unterschiedlichen Politikfeldern seien inzwischen hauptsächlich drei Interaktionsmechanismen zu erkennen, der „intergovernmental mode“, der „joint decision mode“ und der „supranational-hierarchical mode“ (279). Dadurch sei, entgegen der ursprünglich vereinfachenden Darstellung der Entwicklungsblockade in der EG eine Weiterentwicklung bis heute zu erklären. Wie die zukünftige legitime Entwicklung der EU weitergehen könne, sei über die Mechanismen eines koordinierten „opt-out“-Verfahrens oder einer „kontrollierten Abweichung“ (291) zu lösen. Scharpf legt mit diesem politikwissenschaftlichen Band eine überzeugende Zusammenfassung seiner Untersuchungen zu den Themen Legitimität und Entscheidungsfindung im Mehrebenensystem der europäischen Integration vor.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Fritz W. Scharpf: Community and Autonomy. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32212-community-and-autonomy_38422, veröffentlicht am 28.04.2010. Buch-Nr.: 38422 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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