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/ 21.06.2013
Jeanne Rubner

Das Energiedilemma. Warum wir über Atomkraft neu nachdenken müssen

München: Pantheon 2007; 288 S.; 11,95 €; ISBN 978-3-570-55037-3
In der aktuellen Diskussion um eine Renaissance der Kernkraft plädiert die Autorin, Physikerin und außenpolitische Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, klar für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg. Wenngleich im Untertitel lediglich ein neues Nachdenken über die Kernenergie gefordert wird, stellen die folgenden knapp 300 Seiten vor allem in Anbetracht des Klimawandels ein klares Plädoyer für die nukleare Energiegewinnung dar. Dabei setzt sich die Autorin mit Vorteilen, aber auch mit Risiken der Atomkraft auseinander, die journalistische Qualität sorgt trotz der zurunde liegenden technischen Materie für eine gute Lesbarkeit, z. B. wenn neue Verfahren der Erzeugung von Atomenergie beschrieben werden. Kapitelüberschriften wie „Deutschland, deine Kohle“, „Atom – der Deutschen liebste Angst“ oder „Reaktor mit geringem Risiko“ lassen von Beginn an keinen Zweifel an Motivation, Inhalt und Ergebnissen. Wenngleich hier ein hoch politisches Thema verhandelt wird und dementsprechend auch auf die Darstellung unterschiedlicher Interessenlagen – von denen der Bundeskanzlerin bis hin zu Atomkraftgegnern in Gorleben – viel Raum verwendet wird, ist das Buch aus politikwissenschaftlicher Perspektive höchstens implizit wertvoll: Denn im Grunde liegt nicht mehr vor als eine aktuelles, gut lesbares, physikalisch fundiertes Beispiel für eine naturwissenschaftlich-technisch begründete Argumentation pro Atomkraft. Um jedoch die Frage zu beantworten, warum naturwissenschaftlich belegte Fakten eben nicht den politischen Diskurs und seine Konsequenzen für die deutsche Atompolitik erklären können, müsste auf die politikwissenschaftliche Analyse zurückgegriffen werden, deren Wert insofern gerade anhand ihres Fehlens im vorliegenden Buch deutlich wird. Das durch das Ausblenden der politikwissenschaftlichen Analyse mitschwingende, populärwissenschaftliche Konstatieren der Irrationalität der Atomkraftgegner kann daher vielleicht als Beitrag zur Debatte gewertet werden, diese jedoch weder analysieren noch erklären.
Carsten Michael Nickel (CMN)
B. A., Politikwissenschaftler, wiss. Hilfskraft, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.341 Empfohlene Zitierweise: Carsten Michael Nickel, Rezension zu: Jeanne Rubner: Das Energiedilemma. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28086-das-energiedilemma_33019, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 33019 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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