/ 12.11.2015
Lazaros Miliopoulos
Das Europaverständnis christlicher Kirchen im Zuge der Europäisierung: Ein Konvergenzprozess? Theoretische Einordnung und Inhaltsanalyse
Paderborn: Ferdinand Schöningh 2015 (Politik- und Kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft 32); 357 S.; 46,90 €; ISBN 978-3-506-77993-9Habilitationsschrift Bonn; Begutachtung: L. Kühnhardt, W. Kinzig, F. Decker, J. Scholtyseck. – Lazaros Miliopoulos geht angesichts einer sich nach dem Vertrag von Maastricht intensivierenden Europäisierung der Frage nach, ob und inwieweit im gleichen Zusammenhang auch von einem „Annäherungsprozess im kirchlichen Europaverständnis“ (31) gesprochen werden kann. Aufbauend auf einer quellenanalytischen Untersuchung kirchlicher Europaverständnisse unternimmt Miliopoulos zudem in normativer Perspektive den Versuch zu ergründen, inwiefern hierin auch ein Ausdruck europäischer Identität zum Tragen kommt. Unter kirchlichem Europaverständnis rubriziert er dabei jene „kollektive Identität“ (107), die nach dem Zweiten Weltkrieg als „abendländisch‑christlich‑antitotalitäre Idee von Europa“ (132) von den europäischen Gründervätern im Anschluss an Papst Pius XII. vertreten worden ist. In der Summe kommt Miliopoulos zu einem ambivalenten Befund: Während die nationalen Kirchen in Europa seit Beginn der 1990er‑Jahre hinsichtlich ihrer politischen Forderungen – in der Familien‑ und Forschungspolitik ebenso wie in der Sozialpolitik – enger zusammengerückt seien, könne eine derartige Kohärenz mit Blick auf die institutionelle Selbstbeschreibung nicht festgestellt werden. Hinsichtlich des kirchlichen Europaverständnisses konkurrierten stattdessen das „ökumenische Patriarchat“ (297), wie es von der römisch‑katholischen und zunehmend auch von der Kirche von Griechenland vertreten werde, mit einem „universalethisch‑pluralistischen Europaverständnis“ (298) der protestantischen Kirchen. In organisatorischer Hinsicht schließlich tendierten die Kirchen zu einem Kooperationsmodell, das ihre nationale Eigenständigkeit unangetastet lasse. Was jedoch offenbleibt – zumindest als Ausblick aber angesprochen wird – ist die Frage, wie es gegenwärtig überhaupt in einer sich zunehmend säkularisierenden Gesellschaft um die Rolle der Kirche bestellt ist. Kann „die Kirche in Europa noch einmal auf ganz andere Weise als in der Vergangenheit zur kulturell prägenden Kraft in Europa werden“ (312)? Außer „wer weiß?“ und „vielleicht“ enthält die diesbezügliche Einschätzung von Miliopoulos kaum Greifbares, was sich in einer Art Vorahnung niederschlägt: „Für die Aufgaben, die auf Europa zukommen, kann dies [eine künftig wieder stärkere Rolle der Kirche] nur hilfreich sein.“ (313)
{LEM}
Rubrizierung: 3.4 | 3.5 | 2.23 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Lazaros Miliopoulos: Das Europaverständnis christlicher Kirchen im Zuge der Europäisierung: Ein Konvergenzprozess? Paderborn: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39071-das-europaverstaendnis-christlicher-kirchen-im-zuge-der-europaeisierung-ein-konvergenzprozess_47107, veröffentlicht am 12.11.2015. Buch-Nr.: 47107 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA