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/ 22.06.2013
Björn Hacker

Das liberale Europäische Sozialmodell. Rentenreformen in der EU und die Offene Methode der Koordinierung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Schriften zur europäischen Arbeits- und Sozialpolitik 6); 425 S.; 79,- €; ISBN 978-3-8329-5904-3
Diss. Osnabrück; Gutachter: K. Busch, H.-W. Platzer. – Im gemeinsamen Binnenmarkt erlangt das Wettbewerbsprinzip durch die schrankenlose Gewährleistung des freien Waren- und Kapitalverkehrs höhere Priorität als nationale Arbeitsschutz- und Sozialstandards. Die soziale Dimension der EU ist gering ausgebaut und bleibt voluntaristisch. Ausgehend von diesen Beobachtungen fragt Hacker, welchen Beitrag die Offene Methode der Koordinierung (OMK) hierzu leistet. Stellt sie ein Instrument zur Stärkung der marktkorrigierenden gegenüber der marktschaffenden Integration dar? Um die Effektivität und den Einfluss der OMK zu messen, die in der Governance-Forschung auch als „new mode of governance“ (28) bezeichnet wird, klärt er zunächst die Frage, in welchem Ausmaß die Wohlfahrtsstaaten in der EU ihr sozialpolitisches Design in den letzten Jahren verändert haben und ob sich in diesen Änderungen Globalisierungstendenzen widerspiegeln. Daher beschäftigt er sich mit der Entwicklung der Altersrentensysteme in der EU und zeigt einheitliche politische Trends und Entwicklungstendenzen auf. Diese Analyse wird in den übergeordneten Zusammenhang eines Europäischen Sozialmodells eingebettet. Am Beispiel einer Untersuchung der parlamentarischen Diskurse zu Reformen der Alterssicherung in Deutschland, Frankreich und Österreich verdeutlicht der Autor die Relevanz der europäischen Dimension in den nationalen Reformplänen im Verlauf der Lissabonstrategie. Zwar besitze die OMK bisher nicht das Potenzial, „die soziale Dimension des europäischen Integrationsprozesses gegenüber der Prädominanz der negativen Integrationsdynamik“ (23) zu stärken, doch zeigt Hacker am Ende seiner Studie auf, wie es gelingen kann, die politische Koordinierung zur Kooperation und schließlich zur Harmonisierung in einer politischen Union für alle interessierten EU-Länder weiterzuentwickeln – weg von einem „liberalen“, hin zu einem „solidarischen“ (369) Europäischen Sozialmodell. Der Autor verbindet in seiner Arbeit, die am Graduiertenkolleg „Arbeitnehmerinteressen und Mitbestimmung in einem Europäischen Sozialmodell“ entstanden ist, die Perspektiven der komparativen Wohlfahrtsstaats- und der europäischen Integrationsforschung miteinander.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.5 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Björn Hacker: Das liberale Europäische Sozialmodell. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33501-das-liberale-europaeische-sozialmodell_40090, veröffentlicht am 01.09.2011. Buch-Nr.: 40090 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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