/ 18.06.2013
Peter Krüger
Das unberechenbare Europa. Epochen des Integrationsprozesses vom späten 18. Jahrhundert bis zur Europäischen Union
Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2006; 390 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-17-016586-1Die europäische Integration hat nicht erst mit dem Haager Kongress 1948 begonnen, sie ist auch nicht allein als eine Antwort auf die mit dem zweiten Weltkrieg verbundene Niederlage der Machtstaatlichkeit zu verstehen. Was in politikwissenschaftlichen Studien zur Einigung Europas zuweilen als ein zwar gelegentlich stockender, aber letztlich auf das Integrationsziel einer „immer engeren Union der Völker Europas“ und damit auf die Europäische Union gerichteter Prozess interpretiert wird, erscheint in der Studie von Krüger, emeritierter Professor für neuere Geschichte an der Universität Marburg, als ein „fundamentaler Prozeß europäischer Geschichte“ (14), der bereits seit dem späten 18. Jahrhundert einsetzt und lange ohne supranationale Institutionen auskommt. Zwar wird auch bei Krüger die Zäsur, die der Schuman-Plan und sein Konzept der supranationalen Integration bedeuteten, gebührend hervorgehoben. Er zeigt aber zugleich auf, dass die politische Einigung an einen bereits wesentlich länger wirksamen Prozess anknüpfen konnte, nämlich der in der modernen Geschichte Europas wirksamen „Konzentrierungs-, Differenzierungs- und Expansionsfolgen industriegesellschaftlicher Entwicklung und Verflechtung“ (12). Was hier in knappen und sprachlich verdichteten Formeln nur angedeutet wird, entfaltet Krüger in einem ebenso anregend wie kenntnisreich geschriebenen historischen Bogen, der von der Aufklärung bis in die Gegenwart reicht. Dass Krüger die Ergebnisse des Integrationsprozesses keineswegs als ein für allemal gesichert ansieht, macht schon der Titel seiner Studie deutlich: Europa bleibt unberechenbar. Konfliktpotenzial sieht Krüger insbesondere für den Fall übereilter Versuche, die in der EU angelegte Spannung zwischen nationalstaatlichen und supranationalen Strukturelementen einseitig zugunsten der Nationalstaatlichkeit aufzulösen.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.1
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Peter Krüger: Das unberechenbare Europa. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19542-das-unberechenbare-europa_22729, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 22729
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
CC-BY-NC-SA