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/ 21.06.2013
Hubert Heinelt

Demokratie jenseits des Staates. Partizipatives Regieren und Governance

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Modernes Regieren: Schriften zu einer neuen Regierungslehre 4); 211 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-3428-6
Neue Governance-Formen, so etwa die Beteiligung nichtstaatlicher Akteure in Entscheidungsprozessen und Public-Private-Partnerships bei der Bereitstellung öffentlicher Güter, ergänzen in westlichen Demokratien zunehmend hierarchische Steuerungsmuster. Sich gegen pessimistische Prognosen wendend fragt Heinelt, ob und unter welchen Bedingungen diese Entstaatlichung von Politik ein Potenzial für demokratisches Selbstregieren eröffnet. Er versteht die Studie dabei als theoretische Synthese seiner bisherigen empirischen Arbeiten zu Partizipation und Multi-Level-Governance. Mit Input-Legimität (Zugänglichkeit), Throughput-Prozeduralität (Deliberation) und Output-Effektivität (Selbsteinwirkung) bestimmt er Gütekriterien partizipativen Regierens und bettet diese in ein von Jessop inspiriertes Metagovernance-Konzept ein. Demnach definieren Leitbilder, Politikinhalte und Implementation drei Welten demokratischen Handelns, die sich durch verschiedene Kommunikationsformen, Interaktionsmodi und Regulierungstechniken unterscheiden. Irritierenderweise greift der Autor jedoch in nachfolgenden Analysen auf dieses normative Anforderungsprofil nicht zurück und spricht vielmehr von Effektivität, Effizienz und Legitimität als Maßstäben guten Regierens. Mögliche Rollen des Bürgers in partizipativen Verfahren, Chancen für soziale Lernprozesse oder administrative Reformdiskurse werden daher primär unter dem Blickwinkel der Steuerungsfähigkeit herausgearbeitet, wie die Fallbeispiele aus EU-Strukturfondsförderung und EU-Umweltpolitik belegen. Die Studie ist hochinstruktiv und verbindet exzellente Literaturkenntnis mit innovativen eigenen Ansätzen. Das theoretische Verhältnis zwischen demokratischem Selbstregieren und einer Good Governance bleibt jedoch unaufgelöst, sodass die eingangs gestellte forschungsleitende Frage nach dem Demokratiepotenzial neuer Steuerungsformen unbeantwortet bleibt.
Oliver Fritsch (OF)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, National Environmental Research Institute, Universität Aarhus/Dänemark.
Rubrizierung: 5.412.213.5 Empfohlene Zitierweise: Oliver Fritsch, Rezension zu: Hubert Heinelt: Demokratie jenseits des Staates. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29489-demokratie-jenseits-des-staates_34912, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 34912 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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