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/ 21.06.2013
Alfred Hirsch / Pascal Delhom (Hrsg.)

Denkwege des Friedens. Aporien und Perspektiven

Freiburg i. Br./München: Verlag Karl Alber 2007; 448 S.; kart., 39,- €; ISBN 978-3-495-48204-9
Die sehr verschiedenen, im Wesentlichen von Philosophen geschriebenen Aufsätze sind durch allgemeine Anliegen verbunden: Der Frieden soll im philosophischen Denken ins Zentrum gerückt und die Tradition des Denkens seit Hobbes und Kant kritisch hinterfragt werden, um schließlich ein dem Frieden angemessenes Denken zu etablieren. Es wird davon ausgegangen, dass sowohl die negativen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts als auch die positiven Entwicklungen der gewaltfreien politischen Transformationen sowie das Phänomen der Globalisierung die Philosophie veranlassen, die Frage nach dem Frieden neu zu stellen, Frieden neu zu denken. Über die theoretische Frage, wie Frieden gedacht werden kann, wollen die Autoren zur praktischen Frage, wie Frieden gemacht werden kann, vorstoßen. Die Herausgeber konstatieren, wenngleich der Frieden im philosophischen Themenspektrum auch eine wichtige Rolle spiele, seien ihm jedoch nur wenige Werke explizit gewidmet. Mit dem Umschwung der Philosophie in den vergangenen Jahrzehnten sehen sie aber neue Möglichkeiten in der Sprach-, Kommunikations- und Sozialphilosophie. Frieden wird deshalb in den diversen Aufsätzen mit anderen Kategorien kontextualisiert: Frieden und das Fremde, Frieden und Eros, Frieden und Menschenrechte, Frieden und Hospitalität. Konkret setzen sich die Autoren in ihren verschiedenen gegenwartsbezogenen Beiträgen kritisch mit Kant, Foerster, Derrida, Arendt, der Psychoanalyse und Phänomenologie sowie der Systemtheorie auseinander. Dabei wird beispielsweise deutlich, dass Frieden durch Recht zugleich eine Rechtfertigung bestimmter Formen von Gewalt bedeuten kann. So vertritt Bernasconi die These, dass Frieden als teleologisches Geschichtsprinzip, wie Kant es entwickelt, im Prinzip jede Form von Gewalt rechtfertigt, die zu diesem Ziel führt: Krieg, rassistische oder imperiale Gewalt. Oder Schrader erachtet die Theorie demokratischen Friedens für fragwürdig, wenn er auf die Logik der Rechtfertigung von Kriegen gegen nicht-demokratische Staaten verweist. Der Band geht aus der Tagung „Frieden, eine philosophische Herausforderung“ 2005 in Aachen hervor.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.444.414.42 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Alfred Hirsch / Pascal Delhom (Hrsg.): Denkwege des Friedens. Freiburg i. Br./München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26878-denkwege-des-friedens_31363, veröffentlicht am 24.06.2008. Buch-Nr.: 31363 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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